Wirtschaft : Siemens baut in Berlin wieder Stellen ab

BERLIN (dw).Der Siemens-Konzern streicht in Berlin wieder Arbeitsplätze.Wegen der internationalen Wirtschaftskrisen müsse "im laufenden Jahr per Saldo mit Stellenverlusten gerechnet werden", teilte Aufsichtsratsmitglied Peter von Siemens am Montag mit.In Berlin "stehen alle Aktivitäten auf dem Prüfstand, die die angestrebten Ergebnisbeiträge nicht erreichen." Allerdings werde es sich beim Stellenabbau um geringfügige Größenordnungen handeln, ergänzte ein Sprecher des Konzerns.Der Abbau von 100 Stellen im Dynamowerk war bereits im letzten Jahr für 1999 angekündigt worden.Zudem gebe es auch gegenläufige Tendenzen: So habe Siemens in der Software-Entwicklung 200 neue Arbeitsplätze geschaffen - und noch immer seien seien in diesem Bereich 100 Stellen unbesetzt.

Nach Aussagen von Georg Nassauer, Sprecher der Berliner Siemens-Betriebsräte und Mitglied des Gesamtbetriebsrates, werde aber auch im Bereich Datennetze (ICN Transportnetze) über den Abbau von 50 Arbeitsplätzen gesprochen."Es könnten aber auch mehr werden", befürchtet Nassauer: Da der Bereich inzwischen fast 100 Prozent seines Umsatzes im Ausland mache, sei er von den gegenwärtigen Finanz-und Wirtschaftskrisen in Brasilien, Rußland und Asien stark betroffen.

Sorgenkind des Konzerns sei noch immer die Verkehrstechnik in Berlin-Treptow.Dieser Bereich hatte 1997/98 einen Verlust von 759 Mill.DM gemacht.Die Konsequenzen seien völlig offen, hieß es nun von Seiten des Konzerns.Die Sanierung habe Vorrang vor einer Suche nach Partnern.Eine Siemens-Sprecherin erklärte, der Konzern wolle den Bereich erst einmal "in Ordnung bringen", bevor man an irgendwelche Kooperationen denke.

Von den im letzten Jahr beschlossenen Ausgliederungen seien in Berlin drei Betriebe betroffen, erklärte Peter von Siemens weiter.Man gehe aber davon aus, "daß dadurch keine Arbeitsplatzverluste entstehen." Auch bei dem Verkauf des Meßtechnik-Bereichs an Tektronix 1996 und die Übergabe des Kabelwerkes an Pirelli 1998 sei es nicht zum Stellenabbau gekommen.Im Gegenteil: Tektronik beschäftige heute 60 Mitarbeiter mehr.

Betriebsratssprecher Georg Nassauer bestätigte die Einschätzung des Konzerns.Auch für die 600 Mitarbeiter des Bereichs "Elektronische Komponenten", der zum 1.April aus dem Siemens-Konzern ausscheiden soll, drohten keine Stellenverluste.Wenn der Käufer die Arbeitsplatzzusagen nicht einhalte, habe sich Siemens verpflichtet vier Jahre lang für die Sozialplan-Leistungen geradezustehen, so Nassauer.Bei der Ausgliederung des Bereichs "Passive Röhren" gebe es gute Chancen, die Arbeitsplätze in Berlin zu halten und die Mitarbeiter im Schaltwerk unterzubringen.

Siemens hat die Zahl der Mitarbeiter in Berlin von etwa 27 000 im Jahre 1992 auf jetzt rund 17 500 Mitarbeiter reduziert.Das Unternehmen bleibe damit aber der bei weitem größte industrielle Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb der Stadt, hieß es.

Das Kuratorium "Partner für Siemensstadt" erklärte am Freitag, man habe inzwischen 80 Firmen mit rund 2000 Arbeitsplätzen als Mieter für die freigewordenen Flächen in Siemensstadt gefunden.1 Mrd.DM seien investiert worden.Anläßlich des 100jährigen Geburtstages von Siemensstadt würden die Flächen zu einem Sondermietpreis von 9,99 DM pro Quadratmeter angeboten - weniger als in anderen Technologie- und Gründerzentren.

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