Wirtschaft : Siemens baut in München weitere Stellen ab 2300 Arbeitsplätze der Netzwerksparte betroffen

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München (nad). Der Kahlschlag bei Siemens geht weiter: Der Technologiekonzern will in seiner defizitären Sparte Netzwerktechnik (ICN) weitere 2300 Stellen streichen. Betroffen ist davon der Hauptstandort von ICN in München, der mit rund 7000 Beschäftigten einer der größten Siemens-Standorte überhaupt ist. Die betroffenen Mitarbeiter sollen nach Angaben aus Unternehmenskreisen möglicherweise in eine Beschäftigungsgesellschaft ausgegliedert werden. Entsprechende Überlegungen habe die Unternehmensleitung in der vergangenen Woche mit dem Betriebsrat besprochen. Beschlüsse seien jedoch noch nicht gefasst worden.

Unternehmenssprecher Constantin Birnstiel bestätigte den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen bei ICN in dieser Größenordnung. Es handele sich aber lediglich um einen Vorschlag an die Arbeitnehmervertreter, sagte der Sprecher und betonte, Siemens lege großen Wert auf eine „enge Zusammenarbeit und Absprache“ mit dem Betriebsrat. Hintergrund sei, dass das Geschäft mit Netzbetreibern (Carriern) weltweit ins Stocken geraten sei. „Ein signifikanter Anteil der Stellen ist aber bereits in den zu Jahresbeginn angekündigten 16 500 Stellen enthalten“, schränkte Birnstiel ein.

Zum Jahresbeginn hatte ICN-Chef Thomas Ganswindt das Restrukturierungsprogramm „Pact“ aufgelegt, um die kränkelnde Netzwerksparte wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Damals war vom Abbau von 16 500 Stellen die Rede. Ganswindt hatte aber bereits angekündigt, die Maßnahmen im Laufe des Jahres eventuell noch zu verschärfen. Wegen des drastischen Stellenabbaus in der Telekommunikations-Sparte haben Siemens-Mitarbeiteraktionäre den Rücktritt des zuständigen Vorstandsmitglieds Volker Jung gefordert. Die Mitarbeiter würden nur noch als „Dispositionsmasse“ angesehen, kritisierte der Verein „Unsere Aktien“.

Die IG Metall Bayern hält eine Zustimmung der Arbeitnehmervertreter zu dem Plan für „undenkbar“. Gewerkschaftsvertreter Wolfgang Müller sagte, der Stellenabbau sei „unternehmerisch Quatsch“. Es sei absehbar, dass die Telekommunikationsbranche im nächsten Jahr wieder wachsen werde. Wie Siemens ohne die hoch qualifizierten Ingenieure und Entwickler in Zukunft bestehen wolle, sei ihm „schleierhaft“.

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