Wirtschaft : Siemens-Beschäftigte fordern Garantien

NÜRNBERG (rtr).Die Siemens-Beschäftigten in Deutschland haben angesichts des Konzernumbaus vom Vorstand eine Gesamtvereinbarung gefordert, um Arbeitsplätze, Standorte und Beschäftigungsstandards abzusichern.Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer und Siemens-Gesamtbetriebsratschef Alfons Graf sprachen am Wochenende nach der ersten bundesweiten Konferenz von Gewerkschafts- und Siemens-Belegschaftsvertretern in Nürnberg von "Unsicherheit und Angst".Diese sei durch die Ankündigung des Konzerns ausgelöst worden, sich von Bereichen mit 17 Mrd.DM Umsatz und 60 000 Beschäftigten zu trennen.Die Konzernleitung meldete Vorbehalte gegen die Forderung an, äußerte sich aber gesprächsbereit.

Graf sagte am Rande der Konferenz auch, er fürchte um die Zukunft des in Berlin angesiedelten Bereich Verkehrstechnik.Derzeit werde überlegt, wie mit dem verlustbringenden Bereich weiterverfahren werden solle."Da ist noch lange nicht alles in trockenen Tüchern", sagte der Konzernbetriebsrat.Wenn etwa die Bahn ihre Optionen auf weitere ICE-Züge nicht wahrnehme, gerieten bei der Siemens-Verkehrstechnik und bei anderen Unternehmen vermutlich viele Stellen in Gefahr.

In einer in Nürnberg nahezu einstimmig verabschiedeten Resolution warfen die Konferenzteilnehmer dem Siemens-Vorstand vor, eine Kursänderung einseitig zugunsten der Aktionärsinteressen eingeleitet zu haben.Dies habe viel Unsicherheit in das Unternehmen getragen, sagte Konzernbetriebsratschef Graf.Siemens müsse selbst ein Interesse daran haben, daß wieder Ruhe in das Unternehmen komme.

Die in der Resolution geforderte Gesamtvereinbarung solle auch für Konzernteile gelten, die verkauft oder an die Börse gebracht würden, hieß es.Im einzelnen werden Garantien für Arbeitsplätze, Standorte und Tarifstandards bis Ende 2000 gefordert.Betriebsbedingte Kündigungen müßten ausgeschlossen werden.Bei Verkäufen müsse sichergestellt werden, daß für die abzugebenden Bereiche die Tarifbindung erhalten bleibe.Mit einer Unterschriftensammlung sowie einem bundesweiten Aktionstag am Vortag der Siemens-Hauptversammlung Mitte Februar wollen die Beschäftigten ihren Forderungen zusätzlich Nachdruck verleihen.

Ein Siemens-Sprecher erklärte, das Unternehmen lehne Einheitsregelungen ab, da sie "maßgeschneiderte Lösungen" verhinderten.Dennoch sei das Unternehmen gegenüber den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern gesprächsbereit.Generell ließen sich Arbeitsplätze aber nicht durch abstrakte Garantien sichern, sondern nur dadurch, daß sie wettbewerbsfähig gehalten würden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar