Wirtschaft : Siemens-Betriebsrat in Sorge

BERLIN (dw).Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Siemens AG, Alfons Graf, rechnet kurzfristig nicht mit einschneidenden Maßnahmen in dem Bereich Verkehrstechnik (VT)."Natürlich wird jetzt eine ganze Reihe von Maßnahmen untersucht", sagte Graf am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel: "Es gibt aber noch keine Beschlüsse." Innerhalb des Konzerns sei der Berliner VT-Bereich "nicht das Hauptproblem".Auch erteilte er Spekulationen über einen Verkauf der VT-Sparte oder eine Fusion mit dem Konkurrenten Adtranz eine Absage: "Da ist nichts dran." Der für den Berliner Verkehrstechnik-Bereich zuständige Vorstand Wolfram O.Martinsen hatte in der vergangenen Woche wegen überplanmäßiger Verluste seinen Rücktritt erklärt.

Nach Auffassung des Gesamtbetriebsrates stehen andere Verkehrstechnik-Standorte möglicherweise vor größeren Schwierigkeiten: "Wenn die Bahn ihre Optionen für weitere ICE-Züge nicht abruft, wird es ohne Arbeitsplatzabbau wohl nicht mehr gehen", sorgte sich Graf.Die Deutsche Bahn hat Optionen auf insgesamt 50 ICE 3-Züge, die vor allem von der Siemens-Tochter Duewag in Krefeld-Ürdingen montiert werden.Seit dem Zug-Unglück von Eschede sind keine Optionen mehr abgerufen worden.

Zur Schließung des Siemens-Chipwerkes im englischen Tyneside sagte Graf, der Gesamtbetriebsrat habe rechtzeitig auf die entstehenden Überkapazitäten hingewiesen.Statt des Neubaus habe man die Erweiterung des Werkes Dresden vorgeschlagen."Damals haben sich die Globalisierer leider durchgesetzt", bedauerte Graf.Positiv bewertete er die Übergabe des Kabelgeschäftes an Pirelli: "Das war uns von allen Übeln noch am liebsten." Andernfalls wäre die Schließung von Kabelwerken in Berlin oder Schwerin zu befürchten gewesen.

Der von Siemens-Chef Heinrich von Pierer vorgelegte 10-Punkte-Plan zur Sanierung des Konzerns habe für ihn nur "wenig Überraschungen" enthalten, sagte Graf weiter.Allerdings könne ihm bei der starken Betonung des Shareholder-value-Gedankens "Angst und Bange" werden: "Die Leute sind wurscht, es zählt nur noch der Aktiengewinn." Auch von Pierer müsse aber einsehen "daß er den Konzern nicht gegen die Mitarbeiter sanieren kann".

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