Siemens : Bundesweit Betriebsversammlungen wegen Jobabbau

"Die Stimmung schwankt zwischen wütend und bedrückt": Siemens-Beschäftigte haben an mehreren Standorten in Deutschland ihrem Unmut über den massiven Stellenabbau bei dem Elektrokonzern Luft gemacht. Am nach Belegschaftszahlen größten Standort in Erlangen versammelten sich hunderte Mitarbeiter. Auch in Berlin versammelte man sich.

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17.000 Stellen sollen abgebaut werden. -Foto: dpa

Erlangen/MünchenNicht nur in Erlangen, sondern auch in der Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München sowie an den Nürnberger Standorten des Unternehmens und im Berliner Siemens- Bahntechnikwerk informierten sich die Beschäftigten bei Betriebsversammlungen über die Pläne.

Der Konzern will in den kommenden Jahren weltweit fast 17.000 Arbeitsplätze streichen, davon 5250 in Deutschland. In Verwaltung und Vertrieb sollen angesichts der geplanten Milliarden-Einsparungen rund 12.600 Jobs wegfallen, die übrigen 4150 Stellen sind im Zuge des Umbaus von Geschäftsbereichen betroffen. Die Reaktionen von Arbeitnehmerseite und aus der Politik bezeichnete das Unternehmen am Mittwoch als "durchaus verständlich". "Es sind Äußerungen, die sich vom Ton her einem sachlichen Niveau nähern", sagte ein Siemens- Sprecher.

"Wir werden uns nicht kampflos damit abfinden"

Die Arbeitnehmervertreter wollen unterdessen bei Beratungen ab 22. Juli ihre Marschrichtung für die Verhandlungen über den massiven Stellenabbau festlegen. "Klar ist, dass wir uns nicht kampflos damit abfinden werden", sagte Dieter Scheitor von der IG Metall, der auch im Siemens-Aufsichtsrat sitzt. In den kommenden Tagen würden nun die lokalen Betriebsräte über die Details der Pläne informiert, sagte Scheitor. Bei der Sitzung des Gesamtbetriebsrates (GBR) ab 22. Juli in Krefeld solle dann auch eine Verhandlungskommission benannt und festgelegt werden, mit welchen Forderungen man in die Gespräche mit dem Unternehmen gehe. Details dazu stünden noch nicht fest, es gebe aber "erste Vorstellungen", sagte Scheitor. Zu der mehrtägigen GBR- Sitzung wird am 23. Juli auch Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm erwartet.

Erlangen am stärksten betroffen

Erlangen ist vom geplanten Arbeitsplatzabbau mit rund 1350 Stellen, davon mehr als 500 in der Medizintechnik, am stärksten betroffen. In Nürnberg will Siemens etwa 550 Jobs streichen. Ein wesentlicher Kritikpunkt in den Diskussionen sei, dass die Mitarbeiter vom Management nicht einbezogen und die Pläne einfach von oben nach unten durchgedrückt würden, sagte Fehrmann. Dem Vorstand wird vorgeworfen, dass er "schlicht einfallslos" sei.

Auch in München, wo voraussichtlich rund 1000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, sorgen die Pläne nach Gewerkschaftsangaben für große Unruhe. "In der Belegschaft rumort es, Unmut ist auch zu spüren", sagte Martin Kimmich, Betriebsbetreuer der IG Metall für die Siemens-Betriebe in München, nach der Betriebsversammlung in der Zentrale. In den kommenden Tagen seien weitere Betriebsversammlungen an Münchner Siemens-Standorten geplant. "Wir werden natürlich auch Proteste organisieren, in welcher Form müssen wir noch sehen", sagte Kimmich.

Kritik von Bayerns Ministerpräsidenten Beckstein

Auch in Berlin soll es nach dem Bahntechnikwerk in den übrigen Unternehmensbereichen in den kommenden Tagen Betriebsversammlungen geben, sagte der IG-Metall-Beauftragte Wigand Cramer. Nachgedacht werde auch über Protestaktionen. In Berlin sollen nach den vorläufigen Planungen des Unternehmens etwa 350 Arbeitsplätze gestrichen werden. Auch die IG Metall in Nordrhein- Westfalen wird über das weitere Vorgehen mit Siemens-Betriebsräten beraten. Nach Angaben der NRW-Bezirksleitung der IG Metall sind bei Siemens in Nordrhein-Westfalen in den Niederlassungen, Werken sowie den Bereichen Vertrieb und Service mehr als 700 Jobs von Einsparungen und Teilverkäufen betroffen.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) kritisierte die Siemens-Spitze wegen der Abbaupläne. Es sei "nicht gut", alles nur vor dem Hintergrund kurzfristiger Quartalszahlen zu sehen, sagte Beckstein in München. Wichtig seien vielmehr das langfristige Wachstum und die Loyalität der eigenen Mitarbeiter. Davon habe der Konzern jahrzehntelang profitiert. Inzwischen habe er den Eindruck, dass von der Siemens-Führung "manches etwas lockerer genommen wird" als in der Vergangenheit. (sba/dpa)

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