Wirtschaft : Siemens drängt an die Spitze der Internet-Spezialisten

NEW YORK (Tsp).Mit der Übernahme hochspezialisierter US-Firmen will Siemens eine führende Stellung auf dem Weltmarkt für Datennetze und Internet-Lösungen aufbauen.Der Konzern will eine Mrd.Dollar (rund 1,8 Mrd.DM) in die Gründung der Unisphere Solutions Inc., Burlington (Massachusetts) und den Ausbau des Bereiches Datennetze und Internetprotokoll-Netze investieren.Unisphere-Chef werde der bisherige IBM-Manager für globale Netzwerk-Lösungen Martin C.Clague, teilte die Siemens AG am Montag in New York mit.

Zu den Firmen, die Siemens übernehmen will, gehören die Argon Networks Inc.und die Castle Networks Inc.Der Kaufpreis wurde nicht genannt.Zudem steigt Siemens mit 30 Mill.Dollar bei der Datennetzfirma Accelerated Networks Inc ein.Die drei Firmen sollen mit US-Sparten von Siemens unter dem Unisphere-Dach vereinigt werden.

Unisphere beginnt laut Claque mit einem Umsatz von knapp 200 Mill.Dollar und 500 Mitarbeitern.Die Firma soll den Kunden Internet- und Datennetzprodukte anbieten.Siemens beziffert das Weltmarktvolumen für Netzwerklösungen auf rund 100 Mrd.DM.Der Markt wachse jährlich um 17 Prozent.

Anthony Maher, ein Vorstandsmitglied für den Siemens-Bereich Informations- und Kommunikationstechnik, lehnte in New York eine Stellungnahme zum Kaufpreis für Argon und Castle ab.Die "New York Times" hatte den Preis für Argon auf 240 Mill.Dollar und für Castle auf 300 Mill.Dollar beziffert.Maher bestätigte, daß Siemens einen US-Börsengang plane.Er dementierte aber, daß Siemens eine Netzwerksausrüstungs-Sparte der 3Com Corporation kaufen wolle.Siemens und 3Com kooperieren seit 1997 technisch im Rahmen einer strategischen Allianz.Für 1999 haben beide eine Joint-venture zur Integration von Sprach- und Videokommunikation angekündigt.

Branchenkennern zufolge pickt sich Siemens mit den Übernahmen von Castle und Argon Networks sowie der Beteiligung an Accelerated Networks die Perlen in einem zukunftsträchtigen Bereich heraus.Einen baldigen Börsengang halten Beobachter indes für unwahrscheinlich.Damit würde sich der Münchener Konzern selber Konkurrenz machen, heißt es.Denn Siemens will noch im laufenden Jahr mit dem gesamten Geschäftsbereich Halbleiter an die Börse gehen.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte unlängst bereits angekündigt, der Konzern wolle durch Zukäufe weiterwachsen und sich Innovationskraft durch die Übernahme kleiner High-tech-Firmen aus dem amerikanischen "Silicon Valley" und dem israelischen "Silicon Wadi" beschaffen.Bislang hat sich Siemens an über 100 solcher Innovationsschmieden beteiligt.Für Unruhe sorgten zuletzt in Deutschland mögliche Stellenstreichungen im Siemens-Bereich Computer-Systeme.Rund 1000 der insgesamt 9000 Arbeitsplätze, so hieß es, könnten bedroht sein.

Die traditionellen Lieferanten von Telefonanlagen wie Siemens, Lucent Technologies, Northern Telecom und Alcatel steigen jetzt ausnahmslos in großem Stile in den Internet- und Datennetz-Bereich ein.Die Siemens-Konkurrenten haben in den vergangenen Wochen und Monaten Milliardenkäufe einschlägiger US-Firmen bekanntgegeben und damit nach Meinung von Wall Street-Experten in diesem schnell wachsenden Markt einen Vorsprung vor dem Münchener Konzern erreicht.

Die französische Alcatel-Gruppe kaufte die US-Firma Xylan Corporation für zwei Mrd.Dollar und die Assured Access Technology Inc.für 350 Mill.Dollar.Der US-Branchenführer für Telefonanlagen Lucent Technologies übernahm die Datennetzfirma Ascend Communications für 20 Mrd Dollar.Der kanadische Telefonfirmen-Ausrüster Northern Telecom hat die Bay Networks für 9,1 Mrd.Dollar geschluckt.

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