Wirtschaft : Siemens: Drastischer Abbau in der Netzwerksparte bestätigt

tmh

München (tmh). Die Siemens AG verstärkt ihren weltweiten Stellenabbau. Unter dem Druck einer anhaltenden Marktschwäche vor allem im größten Geschäftsgebiet Informations and Communications (I & C) würden weitere 7000 Stellen gestrichen, teilte der Elektrokonzern am Montag in München mit. Im Netzwerk- und Mobilfunkgeschäft fallen insgesamt auch 3000 heimische Arbeitsplätze dem neuerlichen Kahlschlag zum Opfer. Zuletzt hatten die Münchner ohne ihre Beteiligungen Infineon und Epcos schon den Abbau von rund 10 000 Stellen auf den Weg gebracht. Mit der jetzigen Forcierung unter dem Schlagwort "Operations 2003" sollen mittelfristig die Gewinne wieder gesteigert werden. Das Sparprogramm trifft vor allem die Siemens-Netzwerksparte mit dem konzerninternen Kürzel ICN. Bereits vergangene Woche hatte Siemens-Chef Heinrich von Pierer gegenüber der französischen Zeitung "La Tribune" erklärt, es sei nicht ausgeschlossen, dass insgesamt die Hälfte der 20 Produktionsstandorte geschlossen werden könnten.

"Wir haben ein Programm aufgelegt, das uns ein ergebniswirksames Potenzial von mindestens zwei Milliarden Euro erschließen soll," erklärte der erst seit kurzem zuständige Vorstand Thomas Ganswindt am Montag gegenüber Betriebsräten. Sein Vorgänger Roland Koch musste wegen der Probleme der Sparte jüngst den Hut nehmen. ICN baut laut Ganswindt nun über die bereits angekündigten gut 5000 Stellen hinaus bis Ende 2002 nochmals zusätzlich Personal in der selben Größenordnung ab. Hier zu Lande würden dabei nochmals 2000 Stellen gestrichen und die Zahl der weltweiten ICN-Werke halbiert. Welche oder wie viele Standorte betroffen sind, teilte Siemens nicht mit. Berlin soll wie Greifswald und Bruchsal nicht betroffen sein. Hochautomatisierte Fertigungen mit großer Wertschöpfungstiefe in Deutschland, China und Brasilien würden weiter betrieben. Zudem werde sich ICN künftig auf gewinnträchtige Geschäfte konzentrieren, kündigte Ganswindt an. "Mit diesen Schritten haben wir die Weichen für eine Trendwende gestellt," meinte der neue Topmanager. Damit könne sich ICN gegen den allgemeinen Markttrend stemmen und wieder zum nachhaltigen Ergebnisträger von Siemens werden. Wann das der Fall ist, sagte Ganswindt allerdings nicht.

Nach neun Monaten des soeben beendeten Geschäftsjahres 2000/01 (zum 30. September) mussten ICN und die Siemens-Mobilfunksparte ICM zusammen 649 Millionen Euro Verlust vor Steuern und Zinsen verbuchen. Damit sind ICN und ICM im Siemens-Kerngeschäft in Rekordzeit von einer Hauptgewinnquelle zum größten Verlustträger abgestiegen. Auch in der Siemens-Mobilfunksparte ICM werden deshalb bis Ende des laufenden Geschäftsjahrs 2001/02 weltweit zusätzlich 2000 Stellen abgebaut, davon 1000 Arbeitsplätze in Deutschland. Das soll eine weitere Kostenentlastung von 400 Millionen Euro jährlich bringen. Was der neuerliche Kahlschlag zunächst kostet, bezifferte Siemens dagegen nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben