Siemens : Eine Frau für Frauen aus dem Ausland

Die US-Amerikanerin Denice Kronau sucht für Siemens weibliche Führungskräfte.

Thomas Magenheim

München - Die US-Amerikanerin Denice Kronau soll bei Siemens zu Ende führen, was Jill Lee aus Singapur begonnen hat. Ab Juni übernimmt die 51-jährige von ihrer Vorgängerin beim Münchner Technologiekonzern das Amt der Diversifikationsmanagerin. Ihre Aufgabe ist es also, dafür zu sorgen, dass beim Traditionskonzern mehr Frauen möglichst von außerhalb der heimischen Landesgrenzen in die Führungsetagen kommen. Denn Siemens ist dort zu deutsch, zu weiß und zu männlich, findet der österreichische Firmenchef Peter Löscher. „Sie wird die zweite Phase unserer Diversity-Initiative gestalten“, gibt er der neuen Kollegin mit auf den Weg.

Kronau ist keine stromlinienförmige Managerin. Das wird schnell klar beim Blick auf ihren Internetblog, in dem sie Einblicke in ihr Leben und die Karriere gibt. Sie outet sich als Ex-Workaholic, 2005 wurde Kronau ein Opfer des Burn-out-Syndroms. Sie schreibt gerade ein Buch darüber und hat dessen erstes Kapitel im Blog veröffentlicht. „Ich bin vom Dach meines Lebens gesprungen, ohne zu wissen, ob ich am Boden aufschlagen oder in ein klares, blaues Meer eintauchen würde“, heißt es dort. Die mit einem Manager verheiratete US-Amerikanerin weiß also, wie die Schattenseite einer Karriere aussieht. Mit 46 Jahren habe sie als damalige Finanzchefin einer US-Tochter von Siemens die Reißleine ziehen müssen, aber dann wieder den Weg zurück gefunden. Die Sucht, immer länger zu arbeiten, sei überwunden.

Als Kind habe sie einmal gedacht, dass Präsidentin der Vereinigten Staaten ein ziemlich cooler Job sei. Derzeit ist die auslandserfahrene Informatikerin und Betriebswirtin die Finanzchefin der Diagnosesparte in der Siemens-Medizintechnik. Seit 2002 steht sie in Diensten der Münchner. Sich selbst beschreibt die neue Siemens-Topmanagerin, die sich auch schon als Aushilfsköchin und Pförtnerin über Wasser hielt, als humorvoll. „Und das macht mich ungewöhnlich vor allem in einem konservativen Konzern“, findet sie. Bei Löscher sind ihre Vita und ihr Naturell offenbar angekommen. Eine leichte Aufgabe hat sie dennoch nicht vor sich. Der Frauenanteil bei Siemens beträgt global 25 Prozent, in der Managementebene acht Prozent. Thomas Magenheim

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