Wirtschaft : Siemens erfüllt die Erwartungen nicht

Gewinn von mehr als drei Mrd.DM "nicht mehr sicher" MÜNCHEN (tmh).Bei der Siemens AG, Berlin/München, sind die Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr 1997/98 (zum 30.September) unter Druck geraten."Wir sind nicht mehr sicher, ob wir das ursprüngliche Ziel von über drei Mrd.DM ordentlichen Gewinn erreichen", sagte ein Siemens-Sprecher nach der Veröffentlichung eines Halbjahresberichts in München auf Nachfrage.Dafür gebe es drei Gründe.Zum einen belasten technische Schwierigkeiten mit Gasturbinen bei der Energieerzeugung (KWU) die Profite.Die habe man mittlerweile aber im Griff.Unwägbarer seien zwei weitere Probleme. Einmal kranke der Bereich Halbleiter, für Siemens zuletzt eine wesentliche Ertragsquelle, unter anhaltendem Preisverfall, sagte der Sprecher.Eine Prognose über die weitere Preisentwicklung sei sehr schwierig.Das gelte auch für Asien.Die Rückstellungen für Geschäfte in dieser Krisenregion würden über das bisherige Maß von 300 Mill.DM hinaus erhöht.Die genaue Summe gibt Siemens nicht bekannt.Laufende Siemens-Großprojekte in Asien seien bisher nicht betroffen, erklärte der Konzern weiter.Allerdings sind die Auftragseingänge nach sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs dort um elf Prozent auf 6,5 Mrd.DM rückläufig.Das ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal 1997/98, als die Orders aus der Krisenregion Asien noch um 16 Prozent schrumpften. Unter dem Strich legte der Konzerngewinn nach Steuern zum Halbjahr nur um zehn Prozent auf knapp 1,2 Mrd.DM zu.Ursprünglich geplant war ein Plus von 20 Prozent.Inklusive außerordentlicher Erträge von 180 Mill.DM durch den Verkauf von Geschäftsteilen wuchs der Jahresüberschuß zum Halbjahr auf fast 1,4 Mrd.DM.Die Kurse der Siemens-Aktie gaben an der Börse nach Veröffentlichung des Zwischenberichts allgemein nach, da Analysten höhere Gewinne erwartet hatten. Hinsichtlich Umsatz und Auftragseingang hält der Elektrokonzern an den jüngsten Prognosen fest.Für den Umsatz gilt weiter ein Zielkorridor von 107 bis 115 Mrd.DM, für den Auftragseingang ein Bereich von 113 bis 120 Mrd.DM.Zur Halbzeit des Geschäftsjahres stiegen die Konzernumsätze um 17 Prozent auf insgesamt gut 52 Mrd.DM und die Orders um zehn Prozent auf knapp 60 Mrd.DM.Je zwei Prozentpunkte davon entfallen auf positive Währungseinflüsse.Regional trägt das Ausland das Wachstum.Bereinigt um Firmenverkäufe stieg der Inlandsumsatz um drei Prozent, was Siemens als positiven Trend wertet.Der Umsatz, der im Ausland erwirtschaftet wurde, wuchs um ein Viertel.Ähnlich ist das Bild beim Auftragseingang.Geringem Inlandszuwachs stehen auch hier 18 Prozent Plus im Ausland gegenüber. Auf Basis von Geschäftsfeldern sind bei Siemens trotz Preisdrucks vor allem in der Sparte Bauleiter Umsatz und Aufträge im Aufwind.Aber auch KWU, Kfz- und Medizin-Technik, private Kommunikationsnetze, Automatisierungs- und Antriebstechnik sowie Osram und Siemens Nixdorf (SNI) legen stark zu.Die auslaufende Digitalisierung bei der Deutschen Telekom bescherte der Sparte Öffentliche Kommunikationsnetze rückläufige Orders.Anhaltende Ertragsprobleme hat der in Berlin angesiedelte Bereich Verkehrstechnik. Nicht geändert wird ferner die Siemens-Personalplanung für das Geschäftsjahr 1997/98.Die inländische Belegschaft soll bereinigt um Firmenverkäufe weiter konstant bleiben, während im Ausland aufgebaut wird.Bis Ende März beschäftigte Siemens global 398 000 (Vorjahr 386 000) Mitarbeiter, davon 194 000 in Deutschland.

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