Siemens : Fliegt Kleinfeld raus?

Offenbar sucht der Siemens-Aufsichtsrat einen Nachfolger für Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, dessen Vertrag auf der morgigen Sitzung verlängert werden sollte. Der bevorzugte Kandidat, Linde-Chef Reitzle, soll aber bereits abgesagt haben.

München - Nach dem Rückzug von Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer soll Siemens-Chef Klaus Kleinfeld abgelöst werden. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, der im Präsidium des Siemens-Aufsichtsrates sitzt, treibe den Wechsel Kleinfeld voran und spreche "mit einer Reihe von externen Kandidaten", berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf einen "Beteiligten". "Führende Mitglieder des Aufsichtsrats sind der Meinung, dass ein Wechsel an der Konzernspitze der richtige Weg für einen Neuanfang bei Siemens ist", sagte der Informant dem Blatt.

Ein Konzernsprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Er wies aber darauf hin, dass sich am Zeitplan für den im September auslaufenden Vertrag Kleinfelds nicht geändert habe. "Dass heißt, dieses Thema steht wie vorher auf der Tagesordnung für die Aufsichtsratsitzung von morgen." Bislang war als Ergebnis der Sitzung am Mittwoch eine Vertragsverlängerung für Kleinfeld bis 2012 erwartet worden. Allerdings sollte der neue Vertrag Medienberichten zufolge mit einer Abfindungsklausel für den Fall ausgestattet werden, dass Kleinfeld in den Schmiergeldskandal des Konzerns verwickelt ist. Das Kontrollgremium des Münchner Konzerns soll außerdem Gerhard Cromme zum neuen Aufsichtsratschef wählen.

Cromme soll sich um Nachfolgerfrage kümmern

Cromme ist laut "FTD" nach Angaben von Beteiligten in die Pläne zur Ablösung Kleinfelds eingeweiht. Als bevorzugte Lösung Ackermanns gilt laut mehrerer Beteiligter Linde-Chef Wolfgang Reitzle, wie die Zeitung weiter berichtet. Nach Informationen des "Handelsblatts" sagte der Linde-Chef nach einer Bedenkzeit aber ab. Ackermann werde die Nachfolgefrage bis zur Aufsichtsratssitzung selbst behandeln, dann solle Cromme als neuer Aufsichtsratschef die Frage "weiterverfolgen". Cromme war Ende vergangener Woche als Nachfolger Heinrich von Pierers bestimmt worden, der wegen des Schmiergeldskandals seinen Rückzug angekündigt hatte.

Ackermann argumentiere, nur Kleinfelds Ablösung ermögliche einen sauberen Neuanfang, berichtet das Blatt. Die Gefahr erst spät erkannter Verstrickungen in die Affäre sei nach Ackermanns Ansicht zu groß. Allerdings gebe es darauf bislang keinerlei Hinweise: Die US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton hatte im Konzern ihre Untersuchungen bei Kleinfeld gestartet, damit die Ergebnisse bis zur Sitzung am Mittwoch vorliegen. "Kleinfeld ist laut Bericht clean", zitierte die "FTD" einen "Siemens-Insider".

Spekulationen über Kleinfeld "nicht unplausibel"

Allerdings habe Kleinfeld im Aufsichtsrat sowohl Gegner als auch Unterstützer, auf der Arbeitgeber- wie auf der Arbeitnehmerseite. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass schon in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch eine Entscheidung falle. Kleinfelds Vertrag läuft am 30. September aus. Laut "FTD" könnte der Aufsichtsrat am Mittwoch alternativ womöglich gar nicht über den Vertrag von Kleinfeld entscheiden und die Frage auf die nächste Sitzung in drei Monaten verschieben. Allerdings sei unsicher, wie der Aktienmarkt darauf reagieren würde. Kleinfeld steht weiterhin für eine gute Entwicklung der Siemens-Aktie, da er trotz der Korruptionsaffäre im Konzern bisher sehr gute Ergebnisse präsentieren konnte.

In Branchenkreisen hieß es, die Spekulationen um Kleinfeld seien "nicht unplausibel". Es sei aber noch keine Vorentscheidung getroffen. Eine Vertragsverlängerung - möglicherweise auch zu einem späteren Zeitpunkt - sei weiter möglich. In der Schmiergeldaffäre hat er zwar bisher eine weiße Weste. In Branchenkreisen wurde aber spekuliert, dass Siemens möglicherweise als Konzession an die mächtige US-Börsenaufsicht SEC auf einen kompletten Neuanfang setzen könnte. Schließlich seien mögliche Schmiergeldzahlungen auch noch zu Beginn von Kleinfelds Amtszeit als Vorstandsvorsitzender weiter gelaufen.

Die Börsianer reagierten verärgert auf die Spekulationen. Die Siemens-Papiere verloren bis Dienstag mittag 1,8 Prozent. (tso/AFP/dpa)

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