Wirtschaft : Siemens geht auf die Straße

Der Konzern will künftig Elektroantriebe für Autos anbieten. Die Gegner sind Bosch und Conti

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Unter Strom. Auf der Hannover-Messe im April präsentierte Siemens den Prototyp eines elektrischen Porsche Cayenne E-Ruf. Foto: Reuters
Unter Strom. Auf der Hannover-Messe im April präsentierte Siemens den Prototyp eines elektrischen Porsche Cayenne E-Ruf. Foto:...Foto: REUTERS

Berlin - Siemens gibt sein Debüt als Lieferant von Elektroantrieben für Autos. Der Konzern wird dem Vernehmen nach auf der Internationalen Autoausstellung IAA (15. bis 25. September) in Frankfurt eine Kooperation mit einem Autohersteller bekanntgeben. „Wir werden als Systemlieferant in diesem Geschäft Wettbewerber von Bosch und Continental“, bestätigte ein Siemens-Sprecher am Dienstag dem Tagesspiegel. Bereits auf der Hannover-Messe im April habe Siemens angekündigt, noch in diesem Jahr den Prototyp eines elektrischen Antriebsstrangs präsentieren zu wollen. „Wir haben einen Partner aus der Automobilindustrie gefunden“, sagte der Sprecher. Einen Namen nannte er nicht. An diesem Mittwoch informiert Siemens- Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm in München über die Siemens-Strategie auf dem Zukunftsmarkt der Elektromobilität.

Zusammen mit dem Sportwagenveredler Ruf hatte Siemens im Oktober 2008 erstmals einen elektrisch angetriebenen Porsche präsentiert, den E-Ruf. 2009 folgte ein weiterer Prototyp, seit 2010 läuft die Kleinserienfertigung. Siemens hat die neuen Aktivitäten im Automobilbereich im Geschäftsgebiet „Inside Electric Car“ gebündelt. Der Konzern will künftig vom Elektromotor über die Leistungselektronik bis zur intelligenten On- Board-Ladetechnik Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang von Elektrofahrzeugen entwickeln und produzieren. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch kooperiert beim Bau von Elektroantrieben mit Daimler, der Wettbewerber Continental fertigt nach Branchenangaben E-Motoren für Renault.

Die deutschen Hersteller haben bislang noch keine Elektrofahrzeuge im Angebot. Daimler macht im kommenden Jahr den Anfang mit dem batteriebetriebenen Smart, Volkswagen startet 2013 den elektrischen Kleinwagen Up (siehe Kasten), im gleichen Jahr will auch BMW seine elektrische i-Klasse in Serie gehen lassen. Opel verkauft bereits Ende 2011 den elektrischen Ampera, der allerdings eine Version des US-Modells des Chevrolet Volt ist und einen Verbrennungsmotor an Bord hat, der die Batterie auflädt.

Obwohl die Deutschen einen Rückstand zu asiatischen und französischen Herstellern beim Thema Elektromobilität haben, glauben Branchenexperten, dass die deutsche Automobilindustrie schnell aufholen kann. Chancen hätten die Hersteller insbesondere, weil sie weltweit am innovativsten seien, ergab etwa (wie berichtet) eine Studie von Ernst & Young.

Die jährlich erscheinende Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach, die am Dienstag veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass Volkswagen weltweit der leistungsstärkste Autokonzern ist. 2010 überholte der VW-Konzern demnach Toyota. Die Japaner seien aufgrund zahlreicher Qualitätsprobleme auf Rang acht zurückgefallen, erklärte CAM. Für die Wolfsburger ist das Ranking doppelt erfreulich, will der Autohersteller Toyota doch bis spätestens 2018 als weltweit größten Hersteller ablösen. Hinter VW folgen auf dem CAM-Leistungsindex Daimler, Hyundai und BMW.

Um den Automotive-Performance-Index zu ermitteln, führen die Wissenschaftler Faktoren aus verschiedenen Gebieten zusammen. Konkret fließen Angaben aus dem Finanzergebnis der Konzerne, deren Erfolg am Markt und der Innovationsleistung in die Berechnung ein.

VW bewährte sich dabei in allen Gebieten überdurchschnittlich gut. Den größten Abstand zur Konkurrenz schafften die Wolfsburger bei der Innovationsstärke: „Da schneidet Volkswagen mit Abstand am besten ab“, sagte CAM-Leiter Stefan Bratzel. Außerdem hätten das breite Produktangebot, das starke Engagement in China sowie das profitable Baukastensystem bei der Fahrzeugherstellung maßgeblich zum Erfolg beigetragen.

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