Siemens im Wandel : Der Elektrokonzern steht vor tiefgreifenden Veränderungen

Heute zieht Konzernchef Joe Kaeser seine Halbjahresbilanz und teilt der Belegschaft mit, was er mit dem Unternehmen vorhat. Durch den Umbau könnten erneut tausende Stellen gestrichen werden

Vergangenheit und Zukunft. Siemens-Konzernchef Joe Kaeser gibt heute bekannt, wohin der Konzern in Zukunft steuert
Vergangenheit und Zukunft. Siemens-Konzernchef Joe Kaeser gibt heute bekannt, wohin der Konzern in Zukunft steuertFoto: dpa

Nach einem durchwachsenen zweiten Geschäftsquartal startet Siemens-Chef Joe Kaeser den größten Konzernumbau seit Jahren. Zwischen Januar und März konnte der Elektrokonzern den Gewinn und das operative Ergebnis zwar deutlich steigern, bekam aber Gegenwind durch Währungseinflüsse und erneute Projektbelastungen. „Das zweite Quartal hat gezeigt, dass wir in der Verbesserung der operativen Performance noch viel zu tun haben“, erklärte Kaeser am Mittwoch in Berlin. „Dennoch sind wir auf Kurs, um unsere Ziele für das Geschäftsjahr zu erreichen.“ Am Vorabend hatte der Siemens-Aufsichtsrat den Weg für eine tiefgreifende
Neuordnung freigemacht. Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Sektoren-Einteilung wird aufgelöst und die Zahl der Divisionen von 16 auf 9 reduziert. Damit soll die Verwaltung schlanker und die Kosten bis zum Herbst 2016 um eine Milliarde Euro gedrückt werden.

Zuletzt hatte Siemens 15000 Stellen gestrichen

Wie viele Stellen dem Umbau zum Opfer fallen, teilte Siemens nicht mit. Über weitere Details werde das Unternehmen nach Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern informieren, erklärte Kaeser lediglich. Zuletzt war in Medienberichten von Tausenden bedrohten Jobs die Rede. Siemens hatte erst im Zuge seines Sparprogramms „Siemens 2014“ rund 15 000 Stellen gestrichen. Zu der Neuordnung gehört auch die Verselbstständigung der Medizintechnik und ein Börsengang für die Hörgeräte-Sparte, die Siemens vor Jahren erfolglos verkaufen wollte. Auch im Vorstand geht der Umbau weiter: So ersetzt die Shell-Managerin Lisa Davis den bisher für den Energiesektor zuständigen Vorstand Michael Süß.

Im aktuellen Geschäftsjahr will der Konzern den Gewinn um 15 Prozent steigern

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 (30. September) verdiente das Unternehmen unter dem Strich 1,15 Milliarden Euro und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr will Siemens den Gewinn weiterhin um mindestens 15 Prozent steigern. Das Ergebnis der Sektoren, mit dem das Tagesgeschäft von Siemens abgebildet wird, kletterte zwischen Januar und März um 16 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro. Die Währungseinflüsse drückten dagegen auf den Auftragseingang, der um 13 Prozent auf 18,43 Milliarden Euro schrumpfte. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 17,45 Milliarden Euro.

Zudem musste Siemens Projektbelastungen von mehr als 430 Millionen Euro schultern. Der größte Brocken waren dabei Probleme mit zwei Hochspannungsleitungen in Kanada, für die neben höheren Baukosten auch Vertragsstrafen wegen Verzögerungen anfielen. „Diese Entwicklung ist sehr unbefriedigend“, erklärte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. „Wir haben uns die Ursachen für die zugrundeliegenden Schwierigkeiten intensiv angesehen und konsequent Schlussfolgerungen getroffen.“ Die Probleme könnten also auch den Chef des zuständigen Geschäftsbereichs seinen Job gekostet haben. Zumindest muss Manager Karlheinz Springer mit sofortiger
Wirkung gehen - sein Kollege Jan Mrosik übernimmt seine Aufgaben.

Neue Informationen zum Übernahmepoker zwischen Siemens und dem US-Rivalen General Electric (GE) um den französischen Konkurrenten Alstom gab es zunächst nicht. Beide Kontrahenten sind an den Franzosen interessiert. Der deutsche Elektrokonzern hatte ein eigenes Angebot für die Franzosen unter der Bedingung angekündigt, dass er vier Wochen lang Einblick in die Alstom-Bücher erhält. Zuletzt hatte GE die Nase vorn, nachdem der Alstom-Aufsichtsrat den Aktionären eine bindende Offerte der Amerikaner empfahl. Entschieden ist das Rennen damit aber noch nicht. Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist Alstom einen Gewinneinbruch um 28 Prozent
auf 556 Millionen Euro aus. dpa

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