Wirtschaft : Siemens ist die Börse in New York zu teuer Konzern erwägt Rückzug/Rekordgewinn in 2003/04

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München Siemens erwägt wegen jährlicher Kosten in zweistelliger Millionenhöhe einen Rückzug von der Börse in New York. Nach Informationen des Handelsblatts bereitet Siemens ein Delisting vor. Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger prüft offenbar, der Hauptversammlung im Januar ein Aktienrückkauf-Programm speziell für Investoren in den USA vorzuschlagen. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Auch SiemensChef Heinrich von Pierer verlor am Donnerstag, als er die Konzernbilanz präsentierte, kein Wort über einen möglichen Abgang von der New Yorker Börse. Von Pierer verabschiedet sich mit einem Rekordgewinn nach zwölf Jahren an der Konzernspitze. Er kündigte an, dass Siemens die Dividende um 14 Prozent auf 1,25 Euro je Aktie erhöhen wird. Dennoch verlor das Siemens-Papier am Donnerstag um rund 0,4 Prozent auf 60,30 Euro.

Analysten begründeten das mit dem geringeren Überschuss des vierten Quartals, der im Vergleich zum Vorjahr von 724 auf 654 Millionen Euro gesunken ist. Allerdings stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr der Umsatz des größten deutschen Technologiekonzerns erstmals seit drei Jahren wieder – um ein Prozent auf 75,2 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern schnellte um 39 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro in die Höhe. Der Auftragseingang legte um neun Prozent zu. Dabei verzeichneten zehn der 13 Geschäftssparten einen Ergebnisanstieg.

Zu den Zugpferden des Konzerns zählten Medizintechnik, Automatisierungstechnik, Kraftwerksbau und die Lichttechnik-Tochter Osram, die ihre Zielrenditen erreichten oder übertrafen. Die Automobiltechnik-Sparte VDO Automotive, die 2003/04 erstmals ihre Kapitalkosten verdient hat, bezeichnete von Pierer als „Shooting Star“ des Jahres.

Gerade diejenigen Geschäftsbereiche, die für das Image von Siemens wichtig sind – Mobiltelefone und die Transportsparte –, trüben aber die Bilanz gewaltig. In der Transportsparte, wo Siemens Konstruktionsfehler bei den Combino-Straßenbahnen zu schaffen machten, stürzte das Ergebnis im Vorjahresvergleich von plus 284 auf minus 434 Millionen Euro ab. Darin waren Rückstellungen von 500 Millionen Euro enthalten. Finanzchef Heinz-Joachim von Neubürger sagte, er könne weitere Rückstellungen nicht ausschließen. Er gehe aber davon aus, dass Siemens bald „einen Schlussstrich unter das Thema Combino ziehen“ könne. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte er die Rückkehr der Transportsparte in die Gewinnzone an. Deutliche Ergebnisverbesserungen erwartet Konzenrchef von Pierer auch vom IT-Dienstleister SBS, der im dritten und vierten Quartal rote Zahlen schrieb.

Sorgen bereitet Siemens auch sein Handygeschäft, das nach einem leicht positiven Vorjahresergebnis mit 152 Millionen Euro ins Minus rutschte. Wegen einer Softwarepanne bei der neuen 65er Reihe fiel im vierten Quartal ein Verlust von 141 Millionen Euro an. „Siemens bietet seine Geräte im Vergleich zu seinen Konkurrenten zu günstig an und erreicht kein besonders hohes Volumen“, sagte Analyst Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank. Siemens setzte im abgelaufenen Jahr mit 51 Millionen Handys nur ein Drittel so viel ab wie Marktführer Nokia. Von Pierer sagte, es gebe hier noch „einige Aufräumarbeiten“. Er erwarte aber, dass sein Nachfolger Klaus Kleinfeld den im Oktober gegründeten Kommunikationsbereich Siemens Com, in dem die Handysparte angesiedelt ist, auf Kurs bringe. Falls es bei den Handys nicht aufwärts gehe, müsse man über Kooperationen, einen Verkauf oder die Schließung nachdenken. mit HB

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