Siemens kommen Chefs abhanden : Compliance-Vorstand Solmssen soll gehen

Nach dem Abgang von Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer wird der Vorstand des Elektrokonzerns weiter schrumpfen.

Wie am Montag aus dem Unternehmensumfeld verlautete, wird auch mit dem Ausscheiden des für Compliance und Recht zuständigen Vorstandsmitglieds Peter Solmssen gerechnet. Wann genau er seinen Posten abgibt, war nicht zu erfahren. Über die Pläne hatte auch die „Wirtschaftswoche“ berichtet. Siemens wollte sich dazu am Montag auf Anfrage nicht äußern.

Die Aufgaben Solmssens sollen dem Bericht zufolge von einem anderen Vorstand mit übernommen werden. In den Medien war zuvor spekuliert worden, Solmssen wolle in die USA zurückkehren. Der 58-jährige Manager verantwortete bei Siemens nach dem milliardenschweren Schmiergeldskandal unter anderem den Aufbau des Systems für gesetzestreues Verhalten im Unternehmen – englisch: Compliance. Er galt auch als Vertrauter des früheren Siemens-Chefs Peter Löscher, der Ende Juli nach einem Machtkampf seinen Posten geräumt hatte.

Seither ist Joe Kaeser Chef von Deutschlands größtem Technologiekonzern. Zuletzt hatte Siemens sich zudem von seiner Personalchefin Brigitte Ederer getrennt. Sie verlässt das Unternehmen zum Monatsende. Ihre Aufgaben wird Technik-Vorstand Klaus Helmrich ab dem 1. Oktober zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben übernehmen.

Wegen des Fachkräftebedarfs halte der Aufsichtsrat „eine enge Verzahnung des Technologie- und Personalressorts für angemessen“. Die wirklichen Gründe für den Rausschmiss von Ederer, deren Vertrag eigentlich bis 2015 läuft und die nun mit einer millionenschweren Abfindung rechnen kann, werden bei einem anderen Satz in der Erklärung des Aufsichtsrates deutlich: „Insbesondere von der Arbeitnehmerseite“ werde die neue Struktur im Vorstand „stark unterstützt“. Tatsächlich hat die österreichische Sozialdemokratin Ederer bei Betriebsräten und der IG Metall jeden Kredit verspielt. Es habe grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Anwendung der Mitbestimmung gegeben, hieß es vergangene Woche im Betriebsrat. Dem Vernehmen nach hat die Arbeitnehmerseite schon früher die Abberufung Ederers gefordert.

Mit Ederers und Solmssens Abschied wird das Siemens-Führungsgremium also von bisher zehn auf acht Mitglieder reduziert. Weil aber zum Jahresende auch die bisher für den Einkauf zuständige Barbara Kux ausscheidet, werden es künftig nur noch sieben Vorstandsmitglieder sein. Ihr Posten wird nicht neu besetzt. Eine weitere Verkleinerung ist dem Vernehmen nach nicht geplant. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte vor einiger Zeit in einem Interview die Pläne für eine Verkleinerung des Vorstands bekannt gegeben. dpa

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