Wirtschaft : Siemens kommt in China nicht zum Zug

Peking kauft japanische Hochgeschwindigkeitstechnik. Doch die Deutschen geben nicht auf. Sie setzen auf weitere Bahnprojekte

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Berlin/Peking China hat sich bei der Modernisierung seiner Eisenbahn gegen den deutschen ICE entschieden. Der Zuschlag für drei Projekte über zehn Milliarden Euro sei an drei Konsortien mit Unternehmen aus Japan, China, Frankreich und Kanada gegangen, bestätigte das Eisenbahnministerium in Peking am Montag. Der ICE-Hersteller Siemens wie auch das Transrapid-Konsortium, die sich große Chancen im Wachstumsmarkt China ausrechnen, sehen darin aber keine Vorentscheidung für weitere Hochgeschwindigkeitsstrecken – insbesondere nicht für das besonders lukrative Großprojekt zwischen Peking und Schanghai.

Das Konsortium unter der Führung der japanischen Kawasaki Heavy Industries soll jetzt in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Lokomotivenhersteller Nanche Sifang den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen auf einer Reihe von Strecken in China einführen, unter anderem auf der Verbindung von Peking nach Shenyang. Entsprechende Signale gebe es aus dem Ministerium, bestätigte eine Kawasaki-Sprecherin. Die anderen Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Firma Alstom sowie der kanadischen Bombardier sollen ebenfalls Teilprojekte übernehmen.

Ein Bombardier-Sprecher sagte dem Tagesspiegel, die Verträge seien noch nicht unterschrieben. Die Detailverhandlungen würden voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für die deutschen Werke seien kaum Aufträge zu erwarten, da China immer in Verträgen darauf Wert lege, dass ein Großteil der Produktion etwa des rollenden Materials im Lande selber erfolge.

Außerdem hat das Eisenbahnministerium noch nicht endgültig über die Vergabe der 1300 Kilometer langen Strecke zwischen Peking und dem wichtigsten Wirtschaftszentrum Chinas, Schanghai, entschieden. Das Projekt hätte ein Auftragsvolumen von rund zwölf Milliarden Euro. Die Strecke soll bis zu den Olympischen Spielen, die 2008 in China ausgetragen werden, fertig gestellt sein. Die aktuelle Entscheidung des Eisenbahnministeriums ist nach Einschätzung chinesischer Medien ein Rückschlag für deutsche Unternehmen. Siemens will China die deutsche ICE-Technik verkaufen. Auch das deutsche Transrapid-Konsortium, das in Schanghai die weltweit erste kommerzielle Strecke für die Magnetschwebebahn errichtet hatte, hofft auf Folgeaufträge aus Peking. Ein Sprecher des Konsortiums, an dem neben Siemens auch Thyssen-Krupp beteiligt ist, gab sich optimistisch, dass der Transrapid in China nach der erfolgreichen Testphase in Schanghai vor allem für eine weitere 200 Kilometer lange Strecke gut im Rennen ist.

Eine Siemens-Sprecherin sagte, die Modernisierung der Bahn in China sei ein groß angelegtes Projekt. Eine Entscheidung für Teilstrecken sei „noch keine Grundsatzentscheidung gegen den ICE“. Es sei auch keine Ausnahme, dass bei Aufträgen verschiedene Hersteller zum Zuge kämen. Überhaupt experimentiert die chinesische Regierung bei der Modernisierung der Infrastruktur mit verschiedenen Techniken. So setzte sie beim Aufbau eines Mobilfunknetzes auf zwei verschiedene Standards. Die Eisenbahnen wiederum sind lange vernachlässigt worden. „Chinas Eisenbahnen hinken dem Wachstum weit hinterher, weil der Regierung Kapital und Technologie für den Bau neuer Strecken fehlen“, sagt Joe Zhang, der China-Chef bei UBS Securities. Die Lieferanten von Eisenbahntechnik müssen sich deshalb wohl auch finanziell an den Modernisierungsprojekten beteiligen.

Die Modernisierung der Infrastruktur ist für das weitere chinesische Wachstum, das in den vergangenen Jahren bei acht Prozent und darüber lag, notwendig. Das marode Schienennetz steht dabei auf der Prioritätenliste ganz oben. Viele Strecken werden mit gedrosseltem Tempo befahren. Gebraucht werden zudem etwa 300000 Güterwaggons, nur 100000 stehen zur Verfügung. Der Druck zwingt die Chinesen nun zu einer Öffnung dieses bislang abgeriegelten Sektors. Das Eisenbahnministerium kündigte kürzlich an, bis Anfang 2005 Anteile an Eisenbahnanlagen zu verkaufen, um so Kapital für die Modernisierung aufzutreiben. fo/hop/maa/bas/mg (HB)

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