Wirtschaft : Siemens: Konzern trotz guter Zahlen unter Druck

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Die Münchner Siemens AG hat die hoch gesteckten Erwartungen in ihr am 30. September beendetes Geschäftsjahr 1999/2000 leicht übertroffen. Ohne außerordentliche Einflüsse hat der Jahresüberschuss konzernweit um 81 Prozent auf 6,6 Milliarden Mark zugelegt, teilte der Elektrokonzern in München mit. Damit lag er um rund 200 Millionen Mark über Expertenschätzungen. Inklusive einmaligen Gewinnen hat sich im Vorjahr der gesamte Gewinn nach Steuern sogar auf rund 15,5 Milliarden Mark gut vervierfacht. Die internen Renditeziele wurden damit ein Jahr früher als geplant erreicht. "Wir haben schon schlechtere Zeiten erlebt", kommentierte ein sichtlich zufriedener Konzernchef Heinrich von Pierer das Rekordergebnis. Dennoch sei es nur ein Zwischenschritt auf dem Weg, zu den Besten der Branche aufzuschließen. Die Börsen sehen die Zukunft der Münchner offenbar skeptischer. Denn nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen verlor das Siemens-Papier mehrere Prozentpunkte an Wert.

Das ist nicht unverständlich. Denn zum einen hat die Chiptochter Infineon, an der Siemens noch 68 Prozent hält, knapp ein Drittel zum Jahresgewinn beigesteuert. Wenn sich die Mutter, wie angekündigt, vollständig von Infineon trennt, fehlt dieser enorme Gewinnbeitrag. Für 2000/01 geht von Pierer allerdings davon aus, dass der Halbleiterhersteller im Konsolidierungskreis bleibt. In den Siemens-Kerngeschäftsfeldern hat im Vorjahr zum anderen ausgerechnet die zukunftsträchtigste Gewinnquelle Information and Communication Mobile (ICM) einige Turbulenzen durchmachen müssen. Zwar hat sich der ICM-Gewinn vor Steuern und Zinsen auf 1,5 Milliarden Mark mehr als verdoppelt. Es hätte allerdings auch eine Verdreifachung sein können. Denn allein hohe Defizite des PC-Herstellers Fujitsu-Siemens, an dem die Münchner zur Hälfte beteiligt sind, haben die Siemens-Bilanz mit rund 200 Millionen Mark belastet. "Wir werden nicht zuschauen, sondern Maßnahmen ergreifen", kommentierte Konzernsprecher Eberhard Posner die desolate Lage bei Personal Computern.

Im ansonsten boomenden Handygeschäft machten Lieferengpässe bei Zulieferern Probleme. Statt angepeilter 25 bis 30 Millionen Mobiltelefone konnte Siemens nur 24 Millionen Stück ausliefern. Dennoch wurde damit der Weltmarktanteil binnen neun Monaten auf neun Prozent fast verdoppelt.

Während Fujitsu-Siemens sich zum neuen Sanierungsfall auswächst, haben die früheren Sorgenkinder Verkehrstechnik und KWU (Kraftwerke) in die Gewinnzone zurückgefunden. Abgesehen von Infineon steuerte der Bereich Automatisierungs- und Antriebstechnik mit 1,7 (Vorjahr 1,5) Milliarden Mark die meisten Gewinne bei. Die Konzernumsätze wuchsen bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte 1999/2000 um 15 Prozent auf 153 Milliarden Mark. Vom Rekordjahr 1999/2000 profitieren auch die Aktionäre, deren Dividende von einem auf 1,4 Euro erhöht wird. Dazu kommt ein einmaliger Bonus von einem weiteren Euro je Aktie, die im Verhältnis zwei zu eins gesplittet wird.

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