Wirtschaft : Siemens lässt sich vom Aufschwung tragen

Geschäft im vierten Quartal läuft besser

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Berlin - Angesichts der wachsenden Weltwirtschaft rechnet der Elektrokonzern Siemens mit mehr Umsatz und einem höheren Auftragseingang im vierten Quartal seines Geschäftsjahres. „Wir sind auf Wachstumskurs. Wir zeigen operative Stärke“, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser während einer Telefonkonferenz am Montag. Auch der Gewinn werde besser ausfallen als im Vorjahresquartal, wo das Unternehmen 1,9 Milliarden Euro verdient hatte. „Operativ können wir mit dem vierten Quartal aller Voraussicht nach sehr zufrieden sein“, sagte er.

Die Zahlen seien sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal besser, erklärte Kaeser. Allerdings werde eine Reihe von Sonderabschreibungen den Nettogewinn schmälern, der unter dem Strich verbleibe, schränkte er ein. Vor einer Woche hatte Siemens erklärt, in seiner teuer zusammengekauften Medizintechnik-Sparte 1,4 Milliarden Euro abschreiben zu müssen. Das Wachstum war hinter dem Plan zurückgeblieben.

Zudem kosten der Umbau des IT-Bereichs SIS, wo weltweit 4200 Stellen gestrichen wurden, sowie des Netzwerkspezialisten Nokia Siemens Networks weiteres Geld, das den Ertrag schmälern wird. Ob es am Ende womöglich einen Verlust im vierten Quartal geben wird, mochte Kaeser nicht sagen. Die Siemens-Aktie reagierte mit einem Abschlag von gut einem Prozent – obwohl der Finanzchef mit Blick auf die zu erwartende Dividende sagte, die Aktionäre könnten sich freuen. Details zur Ausschüttung nannte er nicht.

Das Siemens-Geschäftsjahr endet zum 30. September, also früher als das Kalenderjahr. Als weltweit aktiver Mischkonzern, der seinen Fokus auf Energie, vielfältige Industrieaktivitäten und den Medizinbereich legt, gilt das Siemens-Geschäft als konjunktureller Frühindikator. Auf eine gute Lage bei dem Münchener Unternehmen hatte bereits die Arbeitsplatzgarantie hingedeutet, die Vorstandschef Peter Löscher vergangene Woche ausgesprochen hatte. Man rechne nur mit einer Verlangsamung der Weltkonjunktur, nicht aber mit einem Einbruch, sagte Kaeser.

Der Industriesektor wird dem Manager zufolge derzeit getragen vom Geschäft mit Indien und China. In nahezu allen Sparten legten die Auftragseingänge im zweistelligen Prozentbereich zu. Beim Umsatz sei der Leuchtenhersteller Osram bereits wieder auf dem Niveau von 2008, dem Jahr des Beginns der Wirtschaftskrise. Dies liege vor allem am starken Verkauf stromsparender LED-Leuchten. Bei der Energiesparte liegen die Bestellungen deutlich über dem Wert des Vorjahres, dies geht auf mehrere Großaufträge im Bereich fossiler sowie erneuerbarer Energien zurück. Auch hier nahmen die Aufträge zweistellig zu. Um die Medizintechnik auf Kurs zu bringen, wolle Siemens sich künftig stärker auf seine „technische Kompetenz bei der Gerätekonzeption“ konzentrieren, befand Kaeser.

Insgesamt habe man bei der Profitabilität im Konzern zu den Wettbewerbern aufgeschlossen oder sei nun selbst die internationale Richtschnur. „Wir sind so gut aufgestellt wie nie zuvor“, ist Kaeser überzeugt. Carsten Brönstrup

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