Wirtschaft : Siemens macht Milliarden-Verlust

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Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu alter Profitabilität hat der Siemens-Aktie am Mittwoch zu einem unverhofften Höhenflug verholfen. Obwohl Heinrich von Pierer, Chef des Münchener Elektrokonzerns, für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinneinbruch von 8,9 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro vermelden musste, schoss die Aktie zwischenzeitlich um fast zehn Prozent nach oben. "Siemens hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sich das Unternehmen in schwierigen Zeiten besser behaupten kann als die meisten Konkurrenten", gab er sich betont optimistisch. Die begonnene Restrukturierung werde schnell greifen.

Insbesondere die Bereiche Netzwerke und Mobilfunk, die mit schweren Problemen zu kämpfen haben, würden demnächst wieder aus der Krise kommen. Gerade im HandyMarkt sei ein leichter Aufschwung in Sicht. Nachdem Siemens in den vergangenen Monaten bei Mobiltelefonen hohe Verluste eingefahren hatte, "kommt jetzt die Gewinnzone wieder in Sicht", sagte von Pierer. Er kündigte zudem in einer Telefonkonferenz ein hartes Durchgreifen an. "Es wird Desinvestitionen geben", sagte er. Geschäftsgebiete, die auf Dauer nicht erfolgreich seien, würden wirklich geschlossen oder verkauft, betonte der Konzernchef. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Pierers derzeit allerdings nicht geplant. Insgesamt bauen Siemens und Infineon im Moment rund 22000 Mitarbeiter ab.

Mit dem starken Kursanstieg gewährte die Börse von Pierer einen kräftigen Vertrauensvorschuss. Am Mittwoch lag Siemens zwischenzeitlich bei 63 Euro, und schloss am Abend mit 62,14 Euro. Viele Experten hatten nach dem Höhenflug mit einem Rückschlag gerechnet. Die Kursentwicklung ist umso erstaunlicher, als Siemens nicht nur die hohen Verluste der Chiptochter Infineon verkraften musste, sondern auch Aufwendungen für Restrukturierung sowie Sonderabschreibungen von fast 1,9 Milliarden Euro. Umsatz und Auftragseingang erhöhten sich jedoch zweistellig. Krisenfeste Geschäftsfelder wie Medizintechnik, Verkehrstechnik oder Energieerzeugung machten einen Teil der Verluste in anderen Sparten wieder wett. Analysten sagten, die Zahlen seien teilweise besser ausgefallen als erwartet.

Allein im letzten Quartal des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2000/01 erreichte der Nachsteuer-Verlust aber immer noch fast 1,1 Milliarden Euro. Die Dividende soll aber unverändert bleiben. Trotz der schwierigen Lage gab sich von Pierer demonstrativ gelassen. "Das Jahr 2001 zeigt, wie robust der Siemens-Konzern eigentlich da steht", sagte er. Neben den Sorgenkindern mit hohen Verlusten gebe es einige Siemens-Bereiche, die trotz der schwächelnden Konjunktur sehr gut laufen und hohe Gewinn einfahren. Dazu zählen die Bereiche Energie, Medizintechnik und Verkehrstechnik. Zudem seien 2000/01 im Konzern der Umsatz um 12 Prozent auf 87 Milliarden Euro und der Auftragseingang um 11 Prozent auf 92,5 Milliarden Euro gestiegen. Insgesamt erzielte Siemens 2000/01 einen Nachsteuer-Gewinn von 2,1 Milliarden Euro und damit weniger als ein Viertel des Rekordergebnisses des Vorjahres (8,9 Milliarden Euro). Damals flossen allerdings die Milliardenerlöse aus den Börsengängen von Infineon und Epcos ein. Zudem rutschte die Chiptochter Infineon in diesem Jahr deutlich ins Minus, alleine das Infineon-Ergebnis verschlechterte sich um 2,7 Milliarden Euro.

Betrachtet man das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sowie ohne Sondereffekte, hat sich das rein operative Geschäft von 2,8 Milliarden Euro (1999/2000) auf 3,2 Milliarden Euro leicht verbessert. Vorsichtig optimistisch zeigte sich von Pierer mit Blick auf den Geschäftsbereich "Information and Communication" (I&C). Hier sind 2000/01 Verluste von über 1,4 Milliarden Euro angefallen. Er erwarte jetzt wieder deutliche Verbesserungen bei den Ergebnissen. Wann die Rückkehr in die Gewinnzone gelingt, wollte der Konzernchef mit Hinweis auf die unsichere Weltkonjunktur nicht sagen. Insbesondere bei Mobilfunk-Telefonen habe die Restrukturierung gegriffen. Im vierten Quartal hat das Minus bei Handys bei nur noch 22 Millionen Euro gelegen.

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