Wirtschaft : Siemens-Manager Pauly wird Chef von T-Systems Probleme in der Com-Sparte soll ein anderer lösen

Nicole Huss

München - Der Chef der angeschlagenen Siemens-Kommunikationssparte (Com), Lothar Pauly, wechselt zur Deutschen Telekom. Pauly übernimmt zum 1.Oktober die Leitung von T-Systems und folgt damit dem im April überraschend verstorbenen Konrad Reiss nach. Das teilten die Unternehmen am Freitag mit. Pauly zieht auch in den Telekom-Vorstand ein und soll die Geschäftseinheiten Business Services und Enterprise leiten, die rund 160000 Geschäftskunden der Telekom betreuen.

Der 46-jährige Telekommunikationsfachmann, der oft für seine unkomplizierte, zupackende Art und seine „Bombenkondition“ gelobt wird, trat nach dem Betriebswirtschaftsstudium bei Siemens ein und war unter anderem in der Nachrichten- und Telekommunikationstechnik tätig. Im Oktober 2004 übernahm er den neu gegründeten Bereich Com, der aus der Zusammenlegung der Siemens- Festnetz- und -Mobilfunksparten ICN und ICM entstand.

Pauly sollte die größte Konzernsparte, die 60000 Mitarbeiter hat und rund ein Viertel zum Gesamtumsatz des Siemens- Konzerns beiträgt, neu strukturieren und aus Com einen schlagkräftigen Spieler auf dem Telekommunikationsmarkt machen. Doch die Wende gelang nicht – obwohl Pauly durchgriff: Zuerst kündigte er zu Jahresbeginn den Abbau von 1350 Stellen bis zum Jahr 2006 an. Dann verschenkte Siemens das defizitäre Mobilfunkgeschäft an den taiwanischen Konzern BenQ. Doch auch ohne die Handys machte Com im abgelaufenen Quartal noch 70 Millionen Euro Verlust.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat daraufhin kürzlich tief greifende Veränderungen in Management und Struktur des Bereichs angekündigt. In Branchenkreisen hieß es, Pauly habe von Kleinfeld so viel Druck bekommen, dass er die Telekom als Arbeitgeber vorziehe. Der Manager habe die Konsolidierung der Sparte nicht in dem von Kleinfeld gesteckten Rahmen geschafft. Branchenexperten machen Pauly jedoch nicht hauptsächlich für die Probleme bei Com verantwortlich. Diese gehen nach Ansicht der Experten vielmehr auf die damaligen Leiter der Sparten ICM und ICN, Rudi Lamprecht und Thomas Ganswindt, zurück.

Ihnen wird vorgeworfen, nicht rechtzeitig auf Trends am Markt reagiert zu haben. Ausgerechnet Ganswindt soll nun die Leitung der Sparte übernehmen. Nach der Gründung von Com war der 44-Jährige als Verantwortlicher für das gesamte Arbeitsgebiet Information und Kommunikation in den Zentralvorstand aufgestiegen. „Ganswindt kennt die Probleme im Festnetzgeschäft gut und kann sie sicher besser beheben als ein Externer“, sagte Analyst Nikolaus von Stackelberg von Sal. Oppenheim dem Tagesspiegel. Andreas Bernhardt, den Siemens erst in der vergangenen Woche in den Com-Vorstand geholt hatte, soll künftig das kriselnde Geschäft mit Firmenkunden leiten. Bernhardt war zuvor Deutschlandchef von Alcatel SEL.

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