Wirtschaft : Siemens meldet die meisten Patente an

Innovationen in Industrienationen stagnieren.

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München - Wieder mal ein Tag zum Feiern für Siemens: Der erfolgsverwöhnte Münchner Technologiekonzern hat im Jahr 2011 so viele Patente angemeldet wie kein anderes Unternehmen in Europa. Das verkündete Benoit Battistelli, Präsident des Europäischen Patentamts (EPA), gemeinsam mit Siemens-Chef Peter Löscher am Freitag in München. Mit 2235 Patentanmeldungen verteidigte Siemens seinen Spitzenplatz – gefolgt von Philips (Niederlande), Samsung (Südkorea), BASF und der LG-Group (Südkorea), die auf knapp 1500 bis 1759 Anmeldungen kamen.

Insgesamt verzeichnet das EPA immer mehr Patentanmeldungen – im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 3,7 Prozent auf 244437. Das ist ein Rekord. Allerdings zeigen die Zahlen des EPA auch, dass vor allem die asiatischen Länder deutlich zulegen, während westliche Industrienationen stagnieren. Die US-Patentanmeldungen sind um knapp 1000 rückläufig auf 59 688. Deutschland und Frankreich bleiben auf dem Level des Vorjahres. Japan konnte im Jahresvergleich die weitaus meisten zusätzlichen Patente anmelden, die Zahl ging um 5500 nach oben.

An zwei Beispielen wollte Peter Löscher die Bedeutung von Erfindungen und Patenten für Unternehmen und für die Gesellschaft verdeutlichen: So erzielte die neue, im Moabiter Werk gefertigte Siemens-Gasturbine im vergangenen Jahr „einen Weltrekord“, wie der Vorstandsvorsitzende es bezeichnet. Das Gerät erreichte im Gas-Dampf-Betrieb einen Wirkungsgrad von knapp 61 Prozent, eine Überbietung der bisherigen Spitzenleistungen um fast die Hälfte. Gerade für das „Jahrhundertprojekt Energiewende“ sei dies wichtig. Denn rasch könne die Turbine, die der Stromversorger Eon in seinem oberbayerischen Kraftwerk Irsching einsetzt, die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien ausgleichen.

Löscher verwies auch auf einen Tomographie-Apparat, der in der medizinischen Forschung und Praxis weitaus bessere Aufnahmen als bisherige Geräte im menschlichen Körper machen könne und somit eine bessere Diagnose ermögliche. Dies sei etwa wichtig für die Behandlung von Krebs und die Demenz-Erforschung.

Zumindest in genauen Zahlen aber kann der Konzern nicht benennen, welchen Gewinn er mit Patenten macht. Innovation erfordere „oft jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit“, so Löscher. Manches davon verdurste leider „im Tal des Todes“. Patrick Guyton

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