Wirtschaft : Siemens ordnet das Chip-Geschäft in zwei neuen Gesellschaften

MÜNCHEN (tmh). Bei der Siemens AG, Berlin/ München, nimmt der Rückzug aus dem Chip-Geschäft immer konkretere Formen an. So soll der Großteil des bisherigen Bereichs Passive Bauelemente und Röhren (PR) unter dem Namen Epcos AG, München, Ende 1999 oder Anfang 2000 zeitgleich in Deutschland und den USA an die Börse gehen, kündigte der Elektrokonzern in München an. Im gleichen Zeitraum wird auch der weit größere Bereich Halbleiter als Infineon AG über die Börse verkauft. Insgesamt sollen für drei Viertel der Epcos-Anteile neue Aktionäre gefunden werden. Jeweils 12,5 Prozent der Epcos-Anteile wollen Siemens und dessen japanischer Partner Matsushita behalten, sagte eine Siemens-Sprecherin. Den Kern der neuen Gesellschaft bilde die seit 1989 bestehende Siemens Matsushita Components, an der die beiden Konzerne jeweils zur Hälfte beteiligt sind. In die künftige Epcos integriert werden nun weitere Teile des PR-Bereichs von Siemens, wodurch der Anteil der Münchner kurzfristig auf 55 Prozent anwächst. Nicht in Epcos, das für Electronic Parts and Components steht, aufgehen werden die bislang in PR angesiedelte Vakuumschmelze in Hanau und kleinere Röhrenaktivitäten in Berlin, ergänzte eine Siemens-Sprecherin. Für das Hanauer Werk, deren 500 Beschäftigte zuletzt 600 Mill. DM umsetzten, liefen Verkaufsgespräche mit mehreren Interessenten. Die Berliner Werke mit ihren knapp 300 Mitarbeitern sollen im Siemens-Verbund bleiben. In der neuen Struktur wird das künftig als Epcos firmierende Geschäft rund zwei Mrd. DM umsetzen und weiter hohe Gewinne abwerfen. Der gesamte PR-Bereich erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1997/98 (zum 30. September) bei 2,6 Mrd. DM Umsatz rund 290 Mill. DM Vorsteuergewinn und war damit einer der drei profitabelsten Siemens-Sparten. Für die laufende Periode waren zuletzt steigende Erlöse und leicht sinkende Gewinne vorausgesagt worden. Epcos wird als Europas führender und global viertgrößter Konzern für elektronische Komponenten an den Start gehen. Die neue AG beschäftigt weltweit rund 9000 Mitarbeiter und betreibt rund über den Globus verteilte Werke, Vertriebs- und Entwicklungsstandorte. Mit der jetzigen Vereinbarung zwischen Siemens und Matsushita zum Börsengang sei ein wichtiges Etappenziel erreicht, kommentierte der bisherige PR-Chef Klaus Ziegler, der wahrscheinlich auch Epcos-Vorstandschef werden soll. Epcos sei "hervorragend positioniert" und werde diese Stärken künftig weiter ausbauen. Die Epcos-Hauptabnehmer kommen aus der Nachrichtentechnik sowie aus der Unterhaltungs-, Kfz- und Industrieelektronik.

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