Wirtschaft : Siemens ordnet sich neu

Unternehmen schwört Manager aufs Sparen ein.

von
Neue Richtung. Foto: REUTERS
Neue Richtung.Foto: REUTERS

Berlin - Schneller zu wachsen als der Markt, das ist das klare Ziel, das Siemens- Chef Peter Löscher dem Unternehmen vorgegeben hat. Er hat es verfehlt, gibt er zu. Die Entwicklung im vergangenen Jahr sei nicht gut genug gewesen, sagte er in einem Interview mit der Mitarbeiter-Zeitschrift „Siemens Welt“. Mit einem neuen Sparprogramm will Löscher dagegenhalten, „um wieder in Bestform zu kommen und trotz einer herausfordernden weltwirtschaftlichen Situation wieder mit an der Spitze zu stehen“. Das Programm gebe keine Arbeitsplatzzahl vor, erläuterte Löscher. Es könne aber „auch bei der Mannschaft Veränderungen geben“. Zuletzt hatte Siemens angekündigt, Arbeitsplätze im Windgeschäft in den USA und im Transformatorengeschäft in Deutschland abzubauen. „In einem Unternehmen unserer Größe ist die Zahl der Arbeitsplätze nie konstant“, sagte Löscher. Veränderungen nach oben wie nach unten seien immer möglich.

Das bereits im Sommer angekündigte Sparprogramm stellte Löscher am Donnerstag in Grundzügen 600 Spitzenmanagern des Unternehmens bei einer Tagung in Berlin vor. Zwei Jahre soll das Programm laufen, mit dem Siemens wettbewerbsfähiger, schneller und unbürokratischer werden soll. Namentlich nannte Löscher fünf Felder, auf die man sich konzentrieren wolle: Kosten reduzieren, Vertrieb weiterentwickeln, Komplexität abbauen, Infrastruktur optimieren und Kernaktivitäten stärken. Jetzt sollen konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, die Details am 8. November in Berlin präsentiert werden.

Im Interview sagte Löscher, in welche Richtung er denkt: „Wir müssen günstiger fertigen und wollen dabei zum Beispiel Forschung, Entwicklung und Produktion enger zusammenbringen.“ Das ist etwas, das Analysten schon länger fordern. JP Morgan sieht ein Sparpotenzial von vier Milliarden Euro. Weiter kündigte Löscher an, Verfahren und Prozesse zu vereinfachen. „Es geht dabei auch ganz konkret um weniger zentrale Vorgaben und weniger Rundschreiben.“ Hier kommt er dem Betriebsrat entgegen, der meint, dass viele Mitarbeiter unter umständlichen und langwierigen Prozessen und unnötiger Bürokratie leiden. Schließlich will sich Löscher die Geschäfte, deren Ergebnisse unter den Ansprüchen liegen, genau ansehen und gegensteuern, um das Unternehmen nicht dauerhaft zu belasten. Die Trennung von unrentablen Geschäften – auch das fordern Analysten immer wieder.

Rund die Hälfte seines Geschäfts macht Siemens in Europa und hier hat sich die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise viel schlechter entwickelt als erwartet. „Es ist uns nicht gelungen, uns auf diese Entwicklung rasch genug einzustellen“, sagte Löscher. Von der Konjunktur könne Siemens keinen Rückenwind erwarten. An dem Ziel – bei effizientem Kapitaleinsatz – auf mittlere Sicht einen Umsatz von 100 Milliarden Euro zu erreichen, hält Löscher fest. Corinna Visser

0 Kommentare

Neuester Kommentar