Wirtschaft : Siemens soll Schmiergeld gezahlt haben Dubiose Verbindungen zu Gewerkschaftschef

Nicole Huss

München - Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg im Fall Siemens geht es offenbar um Schmiergeldzahlungen des Konzerns an einen Gewerkschaftschef. Es gebe dubiose Verbindungen zum Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky, hieß es am Donnerstag in Medienberichten. Siemens soll millionenschwere Beraterverträge mit Schelsky abgeschlossen haben, denen keine entsprechenden Leistungen gegenüberstanden. Die Rede ist von Zahlungen in Höhe von bis zu 14,5 Millionen Euro.

Im Gegenzug für die großzügigen Zahlungen von Siemens soll sich die AUB, die einen Sitz im Siemens-Aufsichtsrat hat, bei Abstimmungen in dem Gremium auffallend oft mit der Arbeitgeberseite solidarisiert haben. „Es gab immer wieder Gerüchte, dass Siemens die AUB unterstützt“, sagte Jürgen Wechsler von der IG Metall Nürnberg dieser Zeitung. Ein Siemens-Sprecher sagte, der Konzern sei im Prozess der Prüfung und könne den Fall daher nicht kommentieren.

Die vor mehr als 30 Jahren gegründete AUB hat rund 32 000 Mitglieder und ist in vielen deutschen Unternehmen vertreten. Schelsky, der die AUB mitbegründet hat und früher Betriebsratsvorsitzender bei Siemens in Erlangen war, arbeitet heute als Unternehmensberater. Seit 2001 soll er Rechtsgutachten für Siemens erstellt, das Unternehmen arbeitsrechtlich beraten und Konzernmitarbeiter geschult haben. Erst Ende vergangenen Jahres hatte der Konzern die Beraterverträge aufgelöst. Schelsky soll bis vor Kurzem mit Siemens auch an zwei Firmen in Greifswald und Feldkirchen bei München beteiligt gewesen sein.

AUB-Sprecherin Traute Jäger sagte dem Tagesspiegel, sie könne zu den Ermittlungen nichts sagen, weil nicht gegen AUB, sondern nur gegen Schelsky als Privatunternehmer ermittelt werde. AUB sei „sehr überrascht und sehr betroffen“. Die Konkurrenz-Gewerkschaft IG Metall argwöhnt dagegen, dass AUB von den Siemens-Geldern profitiert hat. Die Organisation, die nur geringe Mitgliederbeiträge erhebt, hat ihre Expansion unter anderem mit teuren Lobby-Aktionen vorangetrieben.

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