Wirtschaft : Siemens streicht über 10000 Stellen

Allein in der Krisensparte SBS fallen in Deutschland 2400 Arbeitsplätze weg / Logistik wird aufgelöst

Nicole Huss

München - Der Siemens-Konzern will in den nächsten Jahren über 10 000 Jobs streichen. Allein beim IT-Dienstleister SBS sollen bis 2007 in Deutschland rund 2400 Stellen und damit jeder sechste Arbeitsplatz wegfallen, sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am Montag in München. Nach Informationen der IG Metall sollen rund zwei Drittel der 63 deutschen SBS-Standorte geschlossen werden. Das Unternehmen will die Kosten bei SBS in den kommenden zwei Jahren weltweit um 1,5 Milliarden Euro senken. Die verlustreiche Sparte Logistik (L&A) wird geschlossen, deren profitable Einheiten werden anderen Sparten zugeschlagen. Bei L&A und in dem weiteren Krisenbereich Kommunikation (Com) droht ebenfalls der Verlust von Arbeitsplätzen. Nach Bekanntwerden des Sanierungsprogramms zog die Aktie zunächst an, schloss dann aber mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 63,70 Euro – und damit etwas besser als der Gesamtmarkt.

Die Einschnitte in den Problemsparten SBS, Com und L&A sind noch tiefer als viele Gewerkschafter befürchtet hatten. „Neben einer deutlichen Senkung der Sach- und Prozesskosten müssen Überkapazitäten reduziert werden", rechtfertigte Kleinfeld den Stellenabbau bei SBS. Anfang des Jahres hatte Siemens schon die SBS-Tochterfirma Sinitec mit mehr als 1000 Mitarbeitern an das IT-Unternehmen a&o abgegeben. Ende Juli hatte der Konzern angekündigt, produktnahe Dienstleistungen wie Wartungsarbeiten von PCs verstärkt in Partnerschaften einbringen zu wollen. Bereichsleiter Adrian von Hammerstein, der die Führung von SBS erst im Sommer 2004 übernommen hatte, gibt seinen Posten ab. Künftig soll den Bereich Christoph Kollatz leiten, der bisher in der Sparte Industrielle Dienstleistungen für das Geschäftsgebiet Intelligente Verkehrssysteme zuständig war.

Stellenabbau in größerem Ausmaß steht auch den Mitarbeitern der Com-Sparte bevor. Der Konzern wollte aber noch keine konkreten Zahlen nennen. „Ich möchte keine Panikmache betreiben", sagte Kleinfeld. Siemens will vor allem Vertrieb und Service im Firmenkundengeschäft neu ausrichten. Hier seien wegen der schwachen Inlandskonjunktur und der Kaufzurückhaltung bei mittelständischen Kunden Einschnitte notwendig. Die Gespräche mit der IG Metall und dem Betriebsrat über den Stellenabbau seien bereits angelaufen. Früheren Angaben zufolge rechnet die IG Metall mit einem Abbau von rund 4000 Stellen, davon etwa 3000 in Deutschland. Nicht eingerechnet sind dabei vereinzelte Bereiche der Com-Sparte, die der Konzern angeblich ausgliedern will.

Auch in der Logistiksparte greift Siemens radikal durch. Zum 1. Oktober soll der gesamte Bereich aufgelöst werden. Das Geschäftsfeld Distribution und Industrielogistik mit 5000 Mitarbeitern wird, wie bereits bekannt, in die eigenständige Tochter Dematic GmbH ausgegliedert und soll voraussichtlich bald verkauft oder in eine Partnerschaft eingebracht werden. Das verbliebene Geschäft mit weiteren 5000 Mitarbeitern wird auf die Sparten Industrielösungen und Automatisierungstechnik verteilt.

Gewerkschafter warfen Siemens „konzeptionsloses Kostensparen" vor. Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer kritisierte, bei Siemens werde eine nachhaltige Konzernentwicklung immer stärker kurzfristigen Renditezielen geopfert.

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