Wirtschaft : Siemens strukturiert Industriebereich um

Wachstum nur noch im Ausland / Arbeitsplätze nicht gefährdet

MÜNCHEN (dpa/rtr).Siemens hat sich für sein neuorganisiertes Industriegeschäft ehrgeizige Wachstumsziele auf dem Weltmarkt gesteckt.Das mit rund 25 Mrd.DM Umsatz zweitgrößte Arbeitsgebiet des größten deutschen Elektrokonzerns soll jährlich bei den Erlösen um sechs bis zehn Prozent wachsen und beim Ertrag noch stärker zulegen, kündigte Siemens-Zentralvorstand Edward Krubasik am Dienstag in München an.Als Wachstumsmärkte hat die Siemens AG, Berlin/München, vor allem Asien und die USA im Visier.Im Inland lahmt das Geschäft.Für Teilbereiche, wie die Röntgenanalytik, wird ein Käufer gesucht. Noch entfällt die Hälfte des Umsatzes im Industriegeschäft auf Deutschland.Zudem befinden sich 50 000 der insgesamt 100 000 Arbeitsplätze im Inland.In zehn Jahren sollen drei Viertel der Erlöse aus dem Ausland kommen, womit dort auch die Stellenzahl stärker wachse."In Deutschland wird es keine dramatischen Änderungen geben", sagte der Siemens-Vorstand.Die Neuorganisation des Bereichs, die vom 1.Oktober an gilt, sei in erster Linie auf Expansion und nicht auf Rationalisierung ausgerichtet.Die Produktivität im Inland müsse aber deutlich wachsen.Ziel seien Steigerungen von jährlich acht Prozent.Neue Stellen würden jedoch vorwiegend im Ausland entstehen. "Wir haben ein umfassendes Aktionspaket geschneidert, um weltweit zu einem Weltklasseanbieter zu werden", sagte Krubasik.Der Industrie-Weltmarkt mit rund 370 Mrd.DM wachse jährlich im Durchschnitt um vier bis sechs Prozent, wobei in Asien weit höhere Steigerungsraten erreicht werden.Siemens sei im Industriegeschäft einer der wenigen Komplettanbieter.Künftig sollen die vorher zersplitterten Bereiche mit dem Hauptsitz in Erlangen und Nürnberg einheitlich auftreten und sich mehr nach den Kundenwünschen richten. Die Wachstumspläne sollen vom neuen Geschäftsjahr 1997/98 (30.September) an greifen, während 1996/97 nur geringe Steigerungsraten erwartet werden.Bis zum Oktober hofft Siemens auch die angekündigte Großakquisition des Industrieteils der Schweizer Elektrowatt AG für vier Mrd.DM abzuschließen, um auf dem neuen Feld der Gebäudetechnik führend zu werden.Der Sanierungsfall Anlagentechnik mit rund neun Mrd.DM Jahresumsatz und derzeit 23 500 Beschäftigten sei aus den Verlusten heraus und soll 1997/98 positive Ertragszahlen liefern. 1998 soll zudem das Verkaufspaket abgeschlossen werden, das auch das Leuchtengeschäft mit 540 Mill.DM Umsatz und die Kommunikationsmeßtechnik mit über 100 Mill.DM Umsatz umfaßt.Einen Teil des Leuchtenbereichs will die Siemens-Tochter Osram übernehmen.Ein starker globaler Partner werde noch für das Arbeitsgebiet Stromversorgungen mit rund 400 Mill.DM Umsatz gesucht, teilte Krubasik mit.Neue Kooperationen, Gemeinschaftsfirmen und Firmezukäufe seien Teil der Wachstumsstrategie.

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