Siemens : Tausende Manager müssen gehen

Siemens will seine Verwaltung straffen – und streicht weltweit 10.000 bis 20.000 Stellen. Die Gewerkschaft verlangt Aufklärung.

Thomas Magenheim[München],Corinna Visser
Siemens Foto: vario-images
Wer muss gehen? Unter der Siemens-Belegschaft herrscht große Verunsicherung. -Foto: vario-images

BerlinBei Siemens konkretisieren sich die Zahlen für den geplanten Stellenabbau in Verwaltung und Vertrieb. Bisher hatte die IG Metall befürchtet, es könnten weltweit rund 10 000 Stellen von den Sparplänen betroffen sein. Analysten sprachen sogar von bis zu 20 000 Stellen. „Die Wahrheit wird irgendwo dazwischenliegen“, sagte ein Siemens-Sprecher am Donnerstag. Damit nannte der Konzern erstmals eine Größenordnung, wenn auch keine konkreten Zahlen. Berichte, wonach es noch am Donnerstag einen Beschluss des Vorstands zu den Stellenstreichungen geben sollte, wollte der Sprecher nicht kommentieren.

Betriebsrat und Gewerkschaft liegen nach eigenen Angaben keine konkreten Zahlen vor. In Gerüchten ist von 15 000 wegfallenden Stellen die Rede. Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, kritisierte die Informationspolitik des Konzerns: „Die Leute erst einmal mit der Ankündigung eines Stellenabbaus aufzuschrecken, ohne zu sagen, um wen es eigentlich geht, macht die Sache noch schwieriger“, sagte er dem Tagesspiegel. „Als Erste sollten Betriebsrat und Interessenvertreter davon erfahren, nicht die Presse.“ Vergangene Woche habe ihm der Personalchef des Konzerns noch gesagt, es sei noch nichts beschlossen. „Nächste Woche wissen wir mehr“, sagte Neugebauer. „Da sollen die Betriebsräte informiert werden.“ Einen Termin hierfür gebe es aber noch nicht.

Viel Zeit bleibt nicht. Vorstandschef Peter Löscher hatte zu Beginn der Woche angekündigt, dass er „in ein paar Wochen“ Details öffentlich machen wolle. Am 7. Juli tagt der Wirtschaftsausschuss des Konzerns. Hier informiert die Unternehmensführung den Betriebsrat unter anderem über anstehende Entscheidungen. Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass die Einladung zur Sitzung auch detaillierte Unterlagen zur Vorbereitung enthalten wird. Der Gesamtbetriebsrat hatte der Unternehmensführung einen Katalog mit 200 Fragen zum geplanten Konzernumbau geschickt, der bisher unbeantwortet blieb.

So viel ist bekannt: Siemens will die Kosten in Vertrieb und Verwaltung bis zum Jahr 2010 um zehn Prozent (1,2 Milliarden Euro) drücken. Die Verwaltungskosten bei Siemens seien etwa doppelt so hoch wie bei der Konkurrenz, heißt es im Vorstand. Nun gehe es darum, die Verwaltung ebenso effizient zu machen, wie es die Fabriken im Konzern schon sind. Vorstandschef Löscher hat dabei klargemacht, dass dies Arbeitsplätze kosten wird. Wie viele und wo, sagte er bisher nicht. Nur so viel: Es wird das mittlere und obere Management treffen.

Ende März beschäftigte Siemens in den Geschäftsbereichen, die auch künftig noch zum Konzern gehören werden, weltweit etwa 430 000 Menschen. Rund 130 000 davon arbeiten in Deutschland. Von diesen sind etwa 11 200 in der Verwaltung beschäftigt, fast 80 000 in der Produktion. Im Umfeld des Konzerns wird erwartet, dass der Personalabbau hierzulande 3000 bis 4000 Stellen kosten wird – allerdings auf der Basis von 10 000 zu streichenden Arbeitsplätzen weltweit. Würden global deutlich mehr Jobs abgebaut, schlüge das entsprechend auf Deutschland durch, heißt es. Berlin als weltgrößten Produktionsstandort des Konzerns dürfte es wohl weniger treffen als etwa die großen Verwaltungsstandorte München oder Erlangen. In Berlin beschäftigt Siemens derzeit rund 13 000 Mitarbeiter, nur 600 davon sind in der Verwaltung tätig.

Arbeitnehmervertreter kritisieren das Sparprogramm: „Man macht im amerikanischen Cowboy-Stil den Ritt durch Siemens, um den Konzern auf eine hohe Rendite zu trimmen“, sagte Rüdiger Skrobarczyk, Mitglied des Siemens-Gesamtbetriebsrats. Völlig ungeklärt sei, was bei Siemens als mittleres Management gelte, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Neugebauer. „Geht das runter bis zum Abteilungsleiter oder sogar bis zum Meister? Wir wissen es nicht.“ Dass im Management an der einen oder anderen Stelle etwas genauer hingeschaut werden müsse, bezweifle er nicht. „ Aber es muss andere Lösungen als Entlassungen geben“, sagte er. Das Unternehmen stehe gegenüber seinen Beschäftigten in der Verantwortung. „Technisch fällt Siemens immer wieder etwas Neues ein. Da gibt es so viel Geist und Hirn, dass man auch für die Beschäftigten eine gute Lösung finden können sollte – eine andere Lösung als: Kosten senken ist gleich Leute entlassen.“ Betriebsbedingte Kündigungen wolle die Gewerkschaft unbedingt verhindern.

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