Wirtschaft : Siemens: Teurer Einkauf in den USA

Dade-Behring-Chef wird nach Übernahme reich

Matthias B. Krause

New York - Siemens-Chef Peter Löscher sieht im geplanten Kauf der US-Pharmafirma Dade Behring Holdings für sieben Milliarden Dollar (gut fünf Milliarden Euro) einen wichtigen Schritt zur Restrukturierung des Konzerns. Die Börse sieht es anders: Siemens-Aktien verloren nach der Ankündigung am vergangenen Mittwoch insgesamt knapp elf Prozent.

Ein Gewinner der Übernahme steht jedenfalls bereits fest: Dade Behrings Vorstandschef James Reid-Anderson wird um 71,9 Millionen Dollar reicher. Wenn der Verkauf durchgeht, kann er eigene Aktien und Optionen verkaufen. Dabei hat er in seinem Vertrag keine Klausel, die ihm im Falle einer Übernahme den so- genannten „Goldenen Fallschirm“ zusichert. Zur Zukunft des Dade-Behring- Chefs hat sich Siemens freilich noch nicht geäußert.

Reid-Anderson war 2000 vom Finanzchef zum Vorstandschef des Unternehmens aus Deerfield, Illinois, mit 6400 Angestellten aufgestiegen. Zwei Jahre später meldete die Firma Konkurs an, weil sie Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen konnte. Im Zuge der Konsolidierung gelang es dem Unternehmen, seine Gläubiger zu überzeugen, auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Seitdem ging es mit der Firma, die auf die Entwicklung und Herstellung von Tests für Herzkrankheiten, Krebs und mehrere Blutkrankheiten spezialisiert ist, steil bergauf. Im vergangenen Jahr setzte sie 1,7 Milliarden Dollar um. Die Aktie ist alleine in diesem Jahr um fast 40 Prozent gestiegen. Der Gewinn stieg im zweiten Quartal um 34 Prozent.

Den Kurssturz der Siemens-Aktie erklären Experten mit dem hohen Kaufpreis. „Die Leute denken offensichtlich, dass sieben Milliarden zu viel sind“, sagt Thomas Radinger von der Pioneer Investments. Sein Kollege Jeffrey Frelick von Lazard Capital Markets geht davon aus, dass sich die „Merger mania“, die Kaufwut im Medizinsektor fortsetzt: „Käufer sind auf Diagnostik-Firmen aus, die eine große Kundenbasis, eine führende Position in wichtigen klinischen Segmenten oder Technologie in Schlüsselbereichen besitzen.“ Siemens' großer Gegenspieler General Electric hatte den Übernahmemarkt angeheizt, als der Konzern versuchte, die Abott Laboratories für acht Milliarden Dollar zu kaufen. Die Verhandlungen sind inzwischen gescheitert. Matthias B. Krause

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