Siemens-Tochter kauft Beleuchtungsspezialist : Mehr Licht bei Osram

Der Lichtspezialist Osram nutzt die derzeit gute Phase für eine strategische Verstärkung: Mit dem Kauf der Siteco Lighting GmbH für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag beschleunigt Osram den Wandel vom reinen Komponentenhersteller zum Komplettanbieter.

Axel Höpner
Osram kauft den Beleuchtungsspezialisten Siteco.
Osram kauft den Beleuchtungsspezialisten Siteco.Foto: dapd

MünchenDie Siemens-Tochter Osram gilt als guter Konjunkturindikator. Geht es mit der Wirtschaft abwärts, bekommt das der Lichtspezialist besonders früh zu spüren. Dafür profitiert Osram – wie bei der jüngsten Erholung – auch stets als eine der ersten Siemens-Sparten von einem Aufschwung. Derzeit läuft es bei Osram noch rund, noch gibt es keine Anzeichen für ein Ende des Booms. „Diese Signale sehen wir im Moment nicht, aber wir sind wachsam“, sagte Osram-Chef Martin Goetzeler dem „Handelsblatt“.

Der Lichtspezialist nutzt nun die derzeit gute Phase für eine strategische Verstärkung: Mit dem Kauf der Siteco Lighting GmbH für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag beschleunigt Osram den Wandel vom reinen Komponentenhersteller zum Komplettanbieter. So putzt sich die Siemens-Tochter auch für einen möglichen Börsengang heraus. Über den ist aber noch nicht entschieden.

Der jüngste Zukauf ist nach Einschätzung in Branchenkreisen in jedem Fall strategisch sinnvoll – egal, ob Osram eine 100-prozentige Siemens-Tochter bleibt oder an die Börse geht. Denn bislang dominiert bei dem Lichtspezialisten das Komponentengeschäft. Doch die neuen LED-Lampen sind zwar nach wie vor heiß begehrt, sie werden aber nicht so schnell ausgetauscht wie früher die Glühbirnen. Langfristig könnte also das Ersatzbeschaffungsgeschäft nachlassen. Zudem sind einfache LEDs inzwischen ein Massenprodukt, das die Konkurrenz in Asien womöglich günstiger produzieren kann.

Osram macht sich mit dem Kauf von Siteco fit für einen Börsengang

Daher setzen Anbieter wie Osram oder der Konkurrent Philips inzwischen verstärkt auf Geschäfte mit LED-Anwendungen, um die Wertschöpfung zu vertiefen. Sie wollen also zum Beispiel nicht nur die LED-Lampe, sondern auch die Leuchte oder ganze Lichtsysteme dazu verkaufen. Philips ist hier nach Einschätzung von Experten schon weiter als Siemens.

Doch mit Siteco, an der laut Verhandlungskreisen auch Philips interessiert war, machen die Münchner Boden gut. Siteco bietet Leuchten und Beleuchtungssysteme etwa für öffentliche Gebäude, Straßen und Flughäfen an. Das Unternehmen gehörte bis in die 90er Jahre bereits zu Siemens, galt allerdings als Sanierungsfall. Zuletzt war das Unternehmen im Besitz des Finanzinvestors Barclays Private Equity, der das Geschäft erfolgreich sanierte. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 220 Millionen Euro.

Osram ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als Glühbirnenhersteller bekannt – das Portfolio war aber stets deutlich größer. In Berlin beschäftigt Osram rund 1750 Mitarbeiter, die unter anderem Autoscheinwerfer und Kinoprojektionsanlagen produzieren. Im Geschäftsjahr 2009/10 setzte Osram 4,7 Milliarden Euro um, ein Plus von 16 Prozent. „Wir werden sehen, wie nachhaltig die Entwicklung ist, aber vor allem Asien und Lateinamerika stimmen zuversichtlich“, sagte Goetzeler mit Blick auf die Konjunktur. Das LED-Geschäft werde jedenfalls weiter wachsen. Wenn der Frühindikator Osram stimmt, muss man derzeit ein Ende des Wirtschaftsbooms noch nicht befürchten. Axel Höpner (HB)

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