Wirtschaft : Siemens übernimmt Berliner Experten für Kliniksoftware

Philipp Lichterbeck

Berlin - Siemens investiert weiter in den IT-Bereich seiner Medizintechniksparte. Bereits zum 1. Januar übernahm der Technologiekonzern die in Berlin-Charlottenburg ansässige Gesellschaft für Systemforschung und Dienstleistungen im Gesundheitswesen mbH (GSD). Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen zwischen Siemens und dem bisherigen Alleingesellschafter, dem Unternehmer und Arzt Lutz Helmig, vereinbart. Mit der Übernahme wolle Siemens seine IT-Position in der Gesundheitsbranche, vor allem in Deutschland, stärken, gab der Konzern am Mittwoch bekannt. Der Übernahme muss noch das Kartellamt zustimmen.

Nachdem Siemens zuletzt den Handy- Hersteller BenQ verkaufte und den krisenanfälligen IT-Dienstleister SBS umstrukturierte und umbenannte, versucht der Konzern mit der Übernahme der GSD nun offenbar seine Medizintechniksparte auszubauen. Neben Diagnose- und Therapiegeräten will man auch Labordiagnostik vertreiben und hat für Zukäufe bereits sechs Milliarden Euro ausgegeben. Die Übernahme der GSD ist laut Siemens bereits die dritte Akquisition in der Gesundheitsbranche in den letzten neun Monaten.

Die GSD beschäftigt 168 Mitarbeiter. Sie wurde 1980 vom Berliner Senat gegründet, 1988 privatisiert, 1996 von der Helios Klinikgruppe gekauft und 2005 von der Aton GmbH übernommen. Im Jahr 2005 verzeichnete sie einen Umsatz von 25,6 Millionen Euro und beliefert mehr als 300 Kunden in 14 Ländern. Wie die Sprecherin der GSD, Nicole Weider, sagte, zählen in Deutschland rund 15 Unikliniken zu den Abnehmern, darunter auch die Berliner Charité. „Bei der GSD erhoffen wir uns durch den Verkauf an Siemens eine Steigerung der internationalen Aktivitäten und langfristige Perspektiven für unsere Mitarbeiter“, sagte Weider.

Die GSD hat gemeinsam mit T-Systems Austria die Software i.s.h.med entwickelt. Das ist ein System, mit dem die verschiedenen Abteilungen einer Klinik Informationen, etwa über einen Patienten, elektronisch austauschen können. Sie sind später auch vom Hausarzt abrufbar. Das System wird weltweit in 268 Krankenhäusern verwendet.

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