Wirtschaft : Siemens überrascht mit gutem Ergebnis

Der Konzern steigert erstmals seit zwei Jahren den Umsatz – aber die Handysparte macht Probleme

Nicole Adolph

München - Siemens hat für das dritte Quartal 2003/04 überraschend gute Zahlen vorgelegt. Der Konzern hat die Erwartungen von Analysten in allen Bereichen übertroffen. Erstmals seit zwei Jahren legte Siemens auch beim Umsatz wieder zu. Konzernchef Heinrich von Pierer zeigte sich zuversichtlich, auch „unsere eigenen Zielsetzungen für das Gesamtjahr übertreffen zu können“. Bisher hatte Siemens für 2003/04 angekündigt, den Gewinn zweistellig zu steigern und ein Plus beim Umsatz zu erreichen. Die Siemens-Aktie legte am Donnerstag um 5,23 Prozent auf 57,51 Euro zu.

„Siemens ist auf einem guten Kurs“, sagte von Pierer, der im Januar von Strategiechef Klaus Kleinfeld an der Konzernspitze abgelöst wird. Das dritte Quartal sei bis auf ein paar Ausnahmen sehr zufriedenstellend verlaufen. Der Grund dafür sei vor allem die gute Auftragslage im Juni gewesen. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um fünf Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn nahm um 29 Prozent auf 815 Millionen Euro zu.

Im Vergleich zum Vorjahr haben die meisten Sparten im dritten Quartal zweistellige Ergebniszuwächse geschafft. Als „Ertragsperlen“ bezeichnete von Pierer den Lichthersteller Osram und die Sparten Medizintechnik, Kraftwerks- und Automatisierungstechnik. In den Segmenten IT-Dienstleistungen (SBS) und Bahntechnik läuft es allerdings noch nicht rund. Von Pierer kündigte an, dass der neue SBS-Chef Adrian von Hammerstein das Konzept in der Sparte IT-Dienstleistungen überarbeiten werde. Grundsätzlich aber passe SBS sehr gut in den Siemens-Verbund, betonte er.

Die Bahntechnik-Sparte machte einen Verlust von 48 Millionen Euro. Sie litt unter Auslastungsproblemen infolge geringerer Bestellungen der Deutschen Bahn und weiteren Rückstellungen für die fehlerhaften Combino-Straßenbahnen. Die fielen mit 26 Millionen Euro jedoch geringer aus als in den Vorquartalen. In den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres hatte Siemens noch knapp 300 Millionen Euro zurückgestellt. Der Konzern hatte zahlreiche Combinos zurückrufen müssen, weil bei einem Großteil der weltweit 400 ausgelieferten Bahnen Risse in den AluminiumKarosserien aufgetreten waren. Inzwischen habe man sich mit den Kunden auf ein zweistufiges Reparaturkonzept geeinigt, sagte von Pierer. Das endgültige Verfahren werde derzeit in Erlangen getestet. Die Höhe des Gesamtschadens durch das Combino-Desaster lasse sich aber noch nicht beziffern, hieß es.

Sorgen machte dem Konzern im dritten Quartal vor allem das Handygeschäft, das unter „immensem Preisdruck“ und einem Modellwechsel gelitten habe, so von Pierer. Weltmarktführer Nokia war erst vor kurzem mit Kampfpreisen auf den Markt gegangen. Obwohl Siemens den Handyabsatz von 8,1 auf 10,4 Millionen Stück steigern konnte, verdoppelte die Sparte ihren Verlust. Der Aufsichtsrat hatte am Mittwochabend beschlossen, die Mobilfunksparte ICM im Oktober mit der Netzwerksparte ICN zu fusionieren. „Wir wollen so Synergien sowohl bei den Technologien als auch bei den Kosten nutzen“, sagte von Pierer. Genaue Pläne zu der neuen Super-Sparte sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden.

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