Wirtschaft : Siemens und IG Metall verhindern Kündigungen Künftig 30-Stunden-Woche/500 Berliner betroffen

Nicole Huss

München - Nach zwei Verhandlungsrunden haben sich Siemens und die IG Metall auf einen Sanierungsplan für die Kommunikationssparte Com geeinigt. Siemens kündigte am Donnerstag an, bei der Restrukturierung des Geschäfts mit Telefonanlagen für Firmenkunden (Enterprise) auf Entlassungen zu verzichten. Stattdessen will der Technologiekonzern den knapp 5000 betroffenen Mitarbeitern in Service und Vertrieb Alternativen anbieten. Das Sanierungspaket, das der Siemens-Zentralvorstand mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall ausgehandelt hat, sieht eine Verkürzung der Arbeitszeit von 35,8 auf 30 Stunden pro Woche vor. Nach Angaben eines Konzernsprechers soll diese im November – zunächst für ein halbes Jahr – in Kraft treten. Außerdem sollen Mitarbeiter in eine firmeneigene Qualifizierungsgesellschaft wechseln oder sich für Aufhebungsverträge und Altersteilzeit entscheiden können.

Das Firmenkundengeschäft, eines von mehreren Geschäftsgebieten der Com- Sparte, leidet unter dem Wandel in der Kommunikationsindustrie. Während die Service- und Vertriebsmitarbeiter früher vor allem Hardware verkauften und sich um die Wartung kümmerten, sind heute vor allem Softwarelösungen gefragt. Die Nachfrage von Firmenkunden ist seit längerem rückläufig. Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski begründete den Umbau des Bereichs mit der schwierigen Situation. „Alle Seiten stimmen darin überein, dass aufgrund des gravierenden Technologiewandels bei Telefonsystemen für Unternehmenskunden dringender Handlungsbedarf besteht.“ Mit der nun erzielten Einigung könnten Entlassungen weitgehend vermieden werden.

Auch die IG Metall zeigte sich zufrieden. „Dieses Ergebnis zeigt, dass es Alternativen zum fantasielosen Beschäftigungsabbau gibt und unsere Tarifverträge genau diesen Spielraum bieten“, sagte der Verhandlungsführer und zweite IG Metall-Vorsitzende, Berthold Huber. Als Erfolg verbuchte die IG Metall, dass alle 12000 Beschäftigten der Siemens-Service-Gesellschaften zum 1. Oktober in den Konzern reintegriert werden. Wie viele Arbeitsplätze bei Enterprise letztlich abgebaut werden, wollte Siemens noch nicht sagen. „Wir müssen erst sehen, wie die Mitarbeiter das Sanierungspaket annehmen“, sagte ein Sprecher.

In IG Metall-Kreisen war zuletzt von mehr als 2000 Stellen die Rede. „Ich kann mir aber auch vorstellen, dass man mit null Entlassungen auskommt“, sagte Wigand Cramer von der Berliner IG Metall dem Tagesspiegel. Dafür seien aber seitens des Unternehmens Zeit und Geduld nötig. Immerhin müsse Siemens im Bereich Firmenkunden ein „Produktloch“ von etwa zwölf Monaten schließen. Cramer geht davon aus, dass in Berlin rund 500 Service- und Vertriebsmitarbeiter von dem Sanierungspaket betroffen sind.

Weiterhin unklar ist nach Angaben von Cramer, welche Mitarbeiter vom Stellenabbau beim Siemens-IT-Dienstleister SBS betroffen sind. Es gebe „nach wie vor kein Konzept“. Siemens hatte am Montag angekündigt, in den nächsten zwei Jahren 2400 Stellen bei SBS abzubauen. In Berlin arbeiten etwa 730 Personen bei SBS.

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