Wirtschaft : Siemens und VW planen Fabrik in Sachsen

Konzerne wollen Zulieferwerk für 600 Mitarbeiter bauen – Elektrokonzern steigert Gewinn im ersten Quartal

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Berlin/München (brö/nad). Der VW-Konzern und der Automobil-Zulieferer Siemens VDO wollen in Sachsen gemeinsam ein Werk für die Produktion von Motorenteilen bauen, in dem 600 Menschen Arbeit finden könnten. Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer sagte am Donnerstag in München, die Gespräche beider Konzerne über das Joint Venture (Lexikon, Seite 18) befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein VW-Sprecher sagte dieser Zeitung, prinzipiell seien sich die Konzerne einig, es gebe aber noch ungelöste Detailfragen. Das Werk wäre eines der größten Industrieprojekte in Ostdeutschland seit der Wende. Derweil berichtete von Pierer in München von einem guten ersten Quartal des Elektro- und Elektronik-Konzerns.

Die 500 Millionen Euro teure Fabrik für die Produktion von Motorenteilen soll in Stollberg bei Chemnitz errichtet werden, meldete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Allerdings sei „noch keine Tinte auf dem Papier“, sagte ein VW-Sprecher. In Unternehmenskreisen hieß es, die Firmen wollten bis Ende März eine Einigung erzielt haben. Unklar ist noch, ob das Land Sachsen die Ansiedlung subventionieren darf. Nach Tagesspiegel-Informationen haben die Unternehmen Beihilfen bereits bei der EU-Kommission in Brüssel beantragt. Wann es eine Entscheidung geben werde, sei aber nicht abzusehen, hieß es.

Auto-Tradition in Sachsen

Europas größter Autohersteller produziert bereits in Chemnitz und Zwickau mit 1800 Mitarbeitern, in Dresden wird das Luxusmodell Phaeton zusammengebaut. In Leipzig stellt überdies Porsche den Geländewagen Cayenne her, BMW baut ein Werk für die Produktion der 3er-Reihe. „Sachsen hat eine große Tradition im Automobilbau“, sagte der VW-Sprecher. Nach seinen Angaben sollen in Stollberg Einspritzsysteme für Dieselmotoren entstehen. Mit der Pumpe-Düse-Technik für TDI-Motoren ist VW seit langem erfolgreich. Die Dieselmotoren sind leistungsstark und verbrauchen wenig Sprit. Derzeit wird jeder zweite in Deutschland neu zugelassene Wagen von einem Diesel angetrieben.

Siemens VDO beliefert bereits die VW-Konkurrenten Peugeot, Renault und Ford mit Einspritz-Teilen. „Die Produkte aus dem neuen Werk wären aber eine Weiterentwicklung und nur für VW vorgesehen“, sagte der Sprecher. Die Automobil-Sparte von Siemens wurde im Frühjahr 2001 mit dem Konkurrenten Mannesmann VDO verschmolzen. Im Zuge der Konzentration auf das Telekomgeschäft hatte der Mannesmann-Käufer Vodafone Randaktivitäten verkauft. Siemens VDO beschäftigt weltweit 50 000 Menschen und ist spezialisiert auf Auto-Elektronik, Instrumente und Motorsteuerung. Wichtigster Konkurrent ist Bosch in Stuttgart.

Der gesamte Siemens-Konzern hat das erste Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 besser als erwartet abgeschlossen. Für das Gesamtjahr sei er „gedämpft optimistisch“, sagte Konzernchef von Pierer bei der Hauptversammlung in München. Er bekräftigte seine Prognose, dass Siemens den operativen Konzerngewinn auch im gesamten Geschäftsjahr steigern werde. Die Siemens-Aktie reagierte mit einem Kurssprung und war bis zum späten Nachmittag mit einem Plus von 4,8 Prozent Spitzenreiter im Dax.

Im ersten Quartal habe sich der Gewinn von 538 auf 521 Millionen Euro reduziert, so von Pierer. Der Umsatz sank um zehn Prozent auf 18,8 Milliarden Euro, die Aufträge brachen um 21 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro ein. Für das schwache Ergebnisplus machte von Pierer die Konjunktur, Währungseffekte infolge des schwachen Dollars und den Aufwand für Pensionspläne verantwortlich. „Das Quartalsergebnis ist aber besser als von Analysten erwartet“, befand er. Es sei aber zu früh, um von einem stabileren Geschäft zu sprechen. Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte der Siemens-Chef angesichts der unsicheren Wirtschaftslage nicht. Größter Ertragsbringer war im ersten Quartal die Sparte Energieerzeugung, die ihren Gewinn von 125 auf 409 Millionen Euro steigerte. Gute Zahlen legten auch die Medizintechnik und die Leuchten-Tochter Osram vor. Sorgenkinder bleiben die Netzwerksparte ICN und die Mobilfunksparte ICM. Während ICM leicht zulegen konnte, stieg der operative Verlust bei ICN von 124 auf 151 Millionen Euro. Wegen der Flaute im Telekommunikations-Markt brach der Umsatz um 29 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro ein. Die Strategie bei ICN brachte Siemens Kritik von Aktionären und Arbeitnehmern ein. Die Aktionäre forderten, die Sparte endlich auf Erfolgskurs zu bringen. „Wenn der Bereich den Turnaround nicht im nächsten Jahr schafft, müssen Sie durchgreifen“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Von Pierer bekräftigte, ICN solle im vierten Quartal schwarze Zahlen schreiben.

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