Siemens : US-Investor übernimmt Telefonanlagengeschäft

Der Siemens-Konzern trennt sich von seinen Wurzeln: Die Tochter SEN wird in ein Gemeinschaftsfirma eingebracht. Der neue Mehrheitseigentümer will sie wieder erfolgreich machen.

Thomas Magenheim

MünchenSiemens trennt sich von den letzten Teilen seines ehemals dominierenden und mittlerweile aufgelösten Geschäfts mit Telekommunikation. Die unter dem Kürzel SEN firmierende Tochter wird in eine Gemeinschaftsfirma mit dem weitgehend unbekannten US-Investor Gores Group eingebracht. Er soll an der Firma die Mehrheit (51 Prozent) halten. Das gab Siemens-Finanzchef Joe Kaeser am Dienstag in München bekannt.

SEN baut Telefonanlagen und setzte zuletzt mit weltweit gut 17 000 Beschäftigten mehr als drei Milliarden Euro um. In Berlin hat SEN 265 Mitarbeiter. Siemens bleibe am Verlustbringer SEN, der weiter den Markennamen Siemens nutzen darf, mit den restlichen Anteilen „für eine gewisse Zeit“ beteiligt, sagte Kaeser vage. Er ließ auch offen, ob im Rahmen des Geschäfts überhaupt Geld an Siemens fließt oder die Trennung den Konzern insgesamt sogar etwas kostet.

Geplante Investitionen in SEN im Umfang von 350 Millionen Euro finanziere Siemens zur Hälfte. Zudem übergebe man SEN frei von Schulden, sagte Kaeser. Die scheidende Tochter werde mit 500 Millionen Euro an Barmitteln ausgestattet. Das lässt eher auf eine für Siemens teure Trennung schließen. Voriges Geschäftsjahr hatte SEN rund 600 Millionen Euro Verlust geschrieben. Gores-Gründer Alec Gores wollte nicht abschätzen, wann SEN wieder in die Gewinnzone kommt. Bis dahin muss Siemens die Verluste anteilig tragen. Die Investoren bringen in die Gemeinschaftsfirma zwei kleinere US-Technologiefirmen mit insgesamt 240 Millionen Euro Umsatz und 900 Beschäftigten ein. Die vor gut 20 Jahren gegründete Gores-Gruppe habe schon mehr als 70 Unternehmen gekauft, aber noch nie einen Fehlschlag hinnehmen müssen, sagte der neue Siemens-Partner. Der bekannteste Erwerb ist der französischer Hersteller von Telekommunikationsgeräten Sagem. Zu den Perspektiven für die Arbeitsplätze bei SEN äußerte sich Gores nicht.

Geschäftlich sei künftig der US-Investor verantwortlich, bemerkte Kaeser. Siemens habe aber Vetorechte. SEN bleibe zudem bevorzugter Lieferant für Siemens. Der US-Investor sei ein vertrauenswürdiger Partner. „Ein zweites BenQ wird es nicht geben“, hatte Kaeser im Februar versprochen, als die Trennung von SEN angekündigt wurde. Damit hatte Kaeser auf das Schicksal des ehemaligen Siemens-Handygeschäfts angespielt, das 2005 an BenQ aus Taiwan abgegeben wurde und dann rasch Pleite ging. 3000 Menschen verloren ihre Arbeit.

Die Sanierung von SEN läuft bereits. Dabei werden ein Drittel der 6000 heimischen Stellen abgebaut. Gores plant im SEN-Geschäft mit Telefonanlagen für Firmen eine starke Nummer zwei hinter Branchenführer Cisco aus den USA zu werden. Zuletzt war der Marktanteil von SEN auf vier Prozent gefallen und die Firma damit weltweit auf Rang vier abgerutscht. 

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