Wirtschaft : Siemens verkauft 20 Prozent von Infineon

Platzierung an der Börse bringt knapp 600 Millionen Euro/Aktie des Chipherstellers verliert mehr als sechs Prozent

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Berlin (msh). Der SiemensKonzern verringert seine Beteiligung am Chiphersteller Infineon von knapp 40 auf rund 19 Prozent. Das Paket mit 150 Millionen Aktien im Wert von knapp 1,8 Milliarden Euro wurde am Montag von der Citigroup an der Börse platziert. Durch den Verkauf realisiert Siemens einem Sprecher zufolge einen Buchgewinn von knapp 600 Millionen Euro. Der Kurs der Infineon-Aktie brach am Montag bis zum Schluss im Xetra-Handel um 6,67 Prozent auf 11,61 Euro ein. Das Siemens-Papier notierte kaum verändert bei 67,15 Euro.

Siemens hatte seine ehemalige Chipsparte im Jahr 2000 unter dem Namen Infineon an die Börse gebracht und trennt sich seitdem sukzessive von weiteren Anteilen. Erklärtes Ziel von Siemens ist es, die Beteiligung mittelfristig ganz abzugeben. Bei Siemens galt das sehr von Konjunkturschwankungen abhängige Chipgeschäft als nicht mehr attraktiv genug. Zudem könne sich ein eigenständig agierendes Unternehmen besser am Markt behaupten, heißt es bei Siemens.

Die meisten Analysten hielten den Zeitpunkt der Platzierung für günstig. Der Kurs der Infineon-Aktie war in den vergangenen Wochen um fast 20 Prozent bis auf 12,50 Euro gestiegen. Allerdings gab es auch kritische Stimmen, weil das Papier im September und November zeitweise über 13 Euro gestiegen war, damals also ein Verkauf für Siemens noch profitabler gewesen wäre als heute. Ein Siemens-Sprecher sagte, dass sich der Konzern von der Citigroup einen Abnahmepreis für die Aktien habe garantieren lassen. Den genauen Preis nannte er nicht.

Der Verkauf der Aktien an der Börse erfolgte am Montag im Wege eines verkürzten Bookbuilding-Verfahrens. Dabei bietet die Citigroup die Aktien potenziellen Käufern an und ermittelt so den Preis. Ursprünglich sollte der Preis pro Aktie in einer Spanne von 12,00 bis 12,25 Euro liegen. Nachdem die Aktie am Vormittag aber um mehr als fünf Prozent abgesackt war, senkte die Citigroup die Spanne auf 11,75 bis 12,00 Euro. Am Ende lag der Verkaufspreis bei 11,75 Euro. In der Siemens-Bilanz standen die Infineon-Aktien zuletzt mit einem Wert von 7,90 Euro. Aus der Preisdifferenz ergibt sich der Buchgewinn von knapp 600 Millionen Euro.

Die Platzierung der Aktien wird sich nach Ansicht von Börsenexperten in den kommenden Monaten nicht negativ auf den Aktienkurs von Infineon auswirken. „Mit dem Verkauf der Aktien steigt die Attraktivität der Infineon-Papiere für Fonds und institutionelle Investoren“, sagt Michael Busse, Technologieanalyst bei Helaba Trust. Grund sei, dass der Streubesitz (Free Float, siehe Lexikon) bei Infineon steige. Damit wachse auch die Gewichtung des Werts im Deutschen Aktienindex Dax, dessen Zusammensetzung viele Fonds in ihren Depots abbilden. Bei einer höheren Gewichtung stocken die Fonds ihre Bestände entsprechend auf, was sich positiv auf den Aktienkurs auswirkt. Positiv wirke auch, dass mit dem Verkauf Unsicherheit aus dem Markt genommen werde, sagte Busse. Infineon selbst äußerte sich zu der Transaktion nicht.

Der Chiphersteller wird am kommenden Montag seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Nach Jahren der Krise und hoher Verluste hatte der Konzern im dritten Quartal die Wende geschafft. Infineons wichtigstes Produkt sind Arbeitsspeicher für Computer, eine Art Kurzzeitgedächtnis für Rechner. Inzwischen geben Firmen und Privatleute wieder mehr Geld für Informationstechnik aus, was Infineon zugute kommt. Mit einer weiteren Erholung der Konjunktur dürfte sich dieser Trend verfestigen.

Siemens füllt mit dem Verkauf seine Kasse für mögliche Zukäufe. Es gebe aber noch keine konkreten Pläne, wie das Geld verwendet werden soll, sagte ein Sprecher. Siemens- Chef Heinrich von Pierer hatte immer wieder betont, bei einer günstigen Gelegenheit andere Firmen kaufen zu wollen. Zuletzt zeigte Siemens am französischen Konkurrenten Alstom Interesse. Zukäufe seien in den Sparten Bahntechnik, Kraftwerke oder Medizintechnik denkbar. Siemens hält neben den verbleibenden 19 Prozent an Infineon noch 12,5 Prozent am Baueelemente-Hersteller Epcos. Diese Beteiligung stehe derzeit aber nicht zum Verkauf, hieß es bei Siemens.

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