Wirtschaft : Siemens-Verkehrstechnik beschleunigt den Umbau

PARIS (chi).Acht Monate nach Bekanntgabe von dreistelligen Millionenverlusten greift der Siemens-Konzern bei der Sanierung seiner Verkehrstechniksparte zu harten Maßnahmen: Im Werk Krefeld-Uerdingen der Tochtergesellschaft Duewag werden in diesem und in nächsten Jahr bis zu 500 der noch 1600 Arbeitsplätze wegfallen.Gleichwohl ist Bereichsvorstand Herbert H.Steffen zuversichtlich, daß die Sanierung zügig Erfolg zeigt.Für das laufende Geschäftsjahr werde zwar noch ein negatives, jedoch "deutlich verbessertes" Ergebnis erwartet.Schon im kommenden Jahr aber werde der Bereich Verkehrstechnik wieder einen Gewinn präsentieren, der auch über der reinen Verzinsung der Kapitalkosten liegen werde.

Die Verkehrstechnik, sagte er am Montag abend in Paris, "hat das Potential, zu einer sprudelnden Ertragsquelle für Siemens zu werden.Steffen begründete seinen Optimismus mit den bislang vorliegenden Ergebnissen für das erste Halbjahr.Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 2,5 Mrd.DM zu, die Auftragseingänge um 6 Prozent auf 2,4 Mrd.DM.1998 hatte die Siemens-Verkehrstechnik bei einem Umsatz von 4,9 Mrd.DM einen Verlust von 759 Mill.DM ausgewiesen.Den drastischen Stellenabbau bei Duewag begründete Steffen mit Überkapazitäten.Im Werk Uerdingen, wo die Hochgeschwindigkeitszüge gebaut werden, müßten die in den vergangenen Jahren wegen der Großaufträge für den ICE 3 und Neigetechnikschnellzug ICT deutlich ausgeweiteten Fertigungskapazitäten nun wieder zurückgefahren werden.Er wies aber die Vermutung zurück, daß dies allein eine Folge der noch ausbleibenden Nachbestellungen der Deutschen Bahn ist, die sich bei der Wahrnehmung der Optionen für weitere ICT zögerlich zeigt.

Für den Bereich Verkehrstechnik insgesamt, so Steffen, sei nach der Phase des Wachstums nun die Phase der Konsolidierung eingeläutet worden.Einen weiteren Stellenabbau in anderen deutschen Werken schloß der Manager deshalb nicht aus.Der Standort Berlin werde davon vorerst nicht betroffen sein, sagte er auf Nachfrage.Probleme gebe es vor allem an den Standorten mit klassischer Fahrzeugfertigung, wo man sich auf eine stärkere Internationalisierung des Geschäftes einstellen müßte.

Noch beschäftigt Siemens Verkehrstechnik 9200 der weltweit 13 500 Mitarbeiter in Deutschland.Steffen verwies aber auf den Auftragsbestand von 15 Mrd.DM, der noch für mindestens zwei bis drei Jahre für eine gute Auslastung sorge.Für die Risiken, die durch die Hereinnahme nichtkostendeckender Aufträge entstanden waren, habe man mit den Bilanzabschlüssen im vergangenen und in diesem Jahr weitgehend Vorsorge getroffen.Negativ schlügen neben den Aufträgen in Südostasien, die wegen der Finanzkrise auf Eis liegen, nach wie vor die Bestellungen der Deutschen Bahn zu Buche, die zum Teil nicht kostendeckend sein.Laut Steffen zeigt das unter dem Namen "VT Offensive" gestartete Sanierungsprogramm langsam Erfolge.Kostensenkungspotentiale würden nun konsequent ausgelotet, bei Aufträgen gäbe es eine "klare Ergebnisfocussierung" nach dem Prinzip "Ertrag geht vor Volumen".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben