Wirtschaft : Siemens verliert seinen Partner für UMTS-Handys

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Die Verzögerung des UMTS-Starts in Europa bringt die Siemens AG bei einer wichtigen Forschungs-Partnerschaft ins Hintertreffen: Die Zusammenarbeit mit Toshiba bei der Entwicklung von Mobiltelefonen der nächsten Generation (UMTS) liegt derzeit auf Eis. Das bestätigten beide Unternehmen dem Handelsblatt.

Ursprünglich wollten die Konzerne schon im kommenden Frühjahr gemeinsame UMTS-Endgeräte auf den Markt bringen. Durch das Projekt sollten nicht nur die Ausgaben begrenzt werden. Beide Seiten wollten auch gegenseitig Know-how weitergeben und damit die Entwicklungszeiten verkürzen. Analysten hatten die Kooperation hoch gelobt, weil die Zusammenarbeit technologisch sehr wichtig sei für Siemens. Jetzt muss Siemens die Entwicklungskosten für die neuen Mobiltelefone bis auf weiteres alleine schultern.

Die Vereinbarung sollte Toshibas Wissen in der UMTS-Technologie und das GSM-Know-how von Siemens vereinen. GSM ist der derzeit verbreitete Standard in Europa. Einer Toshiba-Sprecherin in Tokio zufolge hat sich der geplante Produktstart jetzt auf 2004 verschoben. "Die Forschungskooperation geht nicht so voran, wie ursprünglich vereinbart", wurde betont, sie bestehe aber weiter. Eine Siemens-Sprecherin bestätigte das. Beide Unternehmen würden sich derzeit auf ihre Heimatmärkte konzentrieren. Von Anfang an hätte es "keine konkreten Vereinbarungen" gegeben, hieß es. "Dies war von Beginn an kein Joint Venture", so die Sprecherin.

Solange die Japaner an dem Markt für UMTS-Handys in Europa wegen der verspäteten Markteinführung nicht teilhaben können, scheint Toshiba keine Eile zu haben, die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen. In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte Toshiba-Chef Tadashi Okamura bereits vor vier Wochen erkennen lassen, dass für ihn die Kooperation mit Siemens keine Dringlichkeit habe: Es könne in Europa noch Jahre dauern, bis die Entwicklungszusammenarbeit bei Endgeräten in Gang komme, so Okamura. Ein anderer Toshiba-Manager bezeichnete die Partnerschaft als "im Moment nicht konkret". Ihm zufolge konzentrieren sich die Japaner darauf, den Deutschen fertige Chipsets für UMTS-Handys zu verkaufen. Auf diesen Bereich erstreckt sich die Kooperation nicht. Siemens bezeichnet dies als ein "normales Angebot".

Allerdings hat Toshiba durchaus Interesse an einer Vertiefung der Zusammenarbeit mit Siemens: Jüngst hatte Okamura den Deutschen eine Fusion der Handy-Sparten angeboten. Dies könnte für den japanischen Elektronikkonzern interessanter sein als eine lose Zusammenarbeit in der Forschung.

Siemens sucht händeringend nach einem Partner für die noch verlustreiche Mobiltelefon-Sparte. Toshiba gilt zwar als ein möglicher Partner, aber nicht unbedingt als der attraktivste.

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