Siemens : "Von Tradition allein kann man nicht leben"

Siemens hat einen neuen Berlin-Chef. Das nehmen das Unternehmen und die Stadt zum Anlass, ihre Partnerschaft zu betonen.

Moritz Döbler
Siemens
Abschied von Gerd von Brandenstein (2.v.l.) und Begrüßung von Burkhard Ischler (m.) -Foto: Davids

BerlinEs war viel von Geschichte die Rede am Freitag in der Mosaikhalle der Berliner Siemens-Hauptverwaltung. Da passte es gut, dass der langjährige „Mr. Siemens“, Heinrich von Pierer, auch erschienen war. Mehr als die Hälfte seiner knapp halbstündigen Rede hatte Vorstandschef Peter Löscher schon bestritten, als er das erste Mal Applaus erhielt. „Ich freue mich, dass Professor von Pierer auch heute dabei ist“, hatte er da gesagt. Zu feiern war die Übergabe der Berliner Amtsgeschäfte von Gerd von Brandenstein auf Burkhard Ischler.

Über die Schmiergeldaffäre, die zum Rücktritt Pierers geführt hatte, sagte Löscher direkt nichts, forderte aber – wohl auch mit Blick auf die Debatte um Steuerflucht – mehr Verantwortungsbewusstsein der Eliten ein. „Für niemanden gibt es eine Ausnahme von Recht und Gesetz, von Anstand und Moral.“ Löscher wies aber auch auf die im Rechtsstaat geltende Unschuldsvermutung hin. „Wir sollten mit unserem Urteil vorsichtig sein, bis die juristisch erhärteten Fakten auf dem Tisch liegen“, mahnte er.

„Beispielhaft und wegweisend“ habe sich Brandenstein stets verhalten, sagte Löscher und dankte ihm für die 36 Jahre im Dienste des Konzerns. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte den scheidenden Berlin- Chef einen „guten Ratgeber, Begleiter und Ideengeber“. Er freue sich zwar, dass Löscher immer wieder auf die Berliner Tradition von Siemens hinweise. „Aber von Tradition allein kann man nicht leben.“ Auch habe man gemeinsam „schmerzliche Dinge“ erlebt – gemeint war der Abbau einiger tausend Stellen. Heute zählt Siemens 12 500 Beschäftigte in der Hauptstadt und ist damit weiterhin der größte industrielle Arbeitgeber.

„Die Berliner Werke zeigen beispielhaft, wie wir in Deutschland wettbewerbsfähig produzieren können“, sagte Löscher. Exzellente Bildung und ein technologischer Vorsprung könnten die im Weltmaßstab hohen Personalkosten wettmachen. „Denn über Kosten ist der globale Wettbewerb für unser Land nicht zu gewinnen.“ Deutschland und Berlin müssten daher mehr für die Forschung und die Schulbildung tun.

Hoch über den Kopf erhoben trug Brandenstein sein vielleicht schönstes Abschiedsgeschenk durch die Menge der Honoratioren selbst zum Gabentisch: ein authentisches Stadtteilschild mit der Aufschrift „Siemensstadt“. Brandenstein, künftig Aufsichtsrat des Siemens-Konzerns, behält auch weiterhin ein Firmenbüro in Berlin.

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