Wirtschaft : Siemens vor Einigung über Arbeitszeit

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München Im Ringen um den Erhalt von 2000 gefährdeten Arbeitsplätzen beim Elektrokonzern Siemens ist eine Einigung zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft in Sicht. „Wir sind unmittelbar vor einer Lösung", sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch. Es zeichne sich ab, dass die gefährdeten Jobs in Deutschland gehalten werden können. Auch aus IG-Metall-Kreisen gab es entsprechende Hinweise.

Gewerkschaft und Siemens streiten seit Monaten hart um Zugeständnisse der Mitarbeiter in der Handy- Fertigung in Kamp-Lintfort und in Bocholt. Die IG Metall hatte noch vor einigen Wochen jede Annäherung abgelehnt. Insgesamt sind 2000 der 4500 Arbeitsplätze in den beiden Werken von der Abwanderung nach Ungarn bedroht. Die IG Metall spricht hingegen konzernweit von mehr als 10 000 gefährdeten Stellen, langfristig sogar von rechnerisch 74 000.

Der Streit galt zuletzt als Testfall für Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche. Über die Details der Einigung wollten beide Seiten gestern keine Angaben machen. Offenbar orientiert sich der Kompromiss aber an einer Einigung für etwa 200 Mitarbeiter einer Service-Einheit für die Handy-Fertigung. Danach wird die Arbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich hoch gesetzt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden gestrichen und in leistungsabhängige Komponenten umgewandelt. Dadurch könnten die Arbeitskosten um 25 Prozent gesenkt werden, hieß es. Eine Einigung für die beiden Werke in Nordrhein-Westfalen könnte Vorbildcharakter für Siemens haben. Derzeit wird auch in anderen Unternehmensbereichen über eine Verlängerung der Arbeitszeiten gesprochen, etwa für die Service- und Vertriebsmitarbeiter in Deutschland. Zudem sind weitere Standorte, etwa in Bruchsal, gefährdet. Arbeitsmarktexperten begrüßten die sich abzeichnende Einigung. Eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden sei ein realistischer Wert, sagte RWI-Vorstandsmitglied Thomas Bauer. cbu/pbs/HB

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