Wirtschaft : Siemens-Vorstand Feldmayer frei

Nicole Huss

München - Der Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer ist wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg teilte am Mittwoch mit, Feldmayer sei gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Europa-Chef des Elektronikkonzerns saß seit vergangenem Dienstag in der Justizvollzugsanstalt Bamberg ein. Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmayer Untreue im Zusammenhang mit der Affäre um die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) vor. Feldmayer soll im Jahr 2001 einen millionenschweren Beratervertrag mit dem langjährigen AUB-Chef Wilhelm Schelsky unterzeichnet haben, dem keine angemessenen Gegenleistungen gegenüberstanden.

„Das Amtsgericht Nürnberg hat den Haftbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft außer Vollzug gesetzt“, teilte die Nürnberger Staatsanwaltschaft mit. Feldmayer sei dabei unter anderem die Auflage gemacht worden, eine Sicherheit zu leisten. Dieser Forderung sei er nachgekommen. Das Amtsgericht betonte, der Haftbefehl bestehe fort, auch wenn er außer Vollzug gesetzt sei. Es gebe auch weiterhin einen dringenden Tatverdacht. Bei den von Feldmayer genehmigten Zahlungen des Siemens-Konzerns an Schelskys Beratungsfirma soll es um mindestens 15 Millionen Euro gehen. Die IG Metall verdächtigt Siemens, mit dem Geld die AUB als Gegengewerkschaft systematisch unterstützt und so Betriebsratswahlen beeinflusst zu haben. Am Montag hatte die IG Metall deswegen Strafanzeige gestellt.

Ob und wann Feldmayer seine Arbeit bei Siemens wieder aufnehmen wird, konnte ein Konzernsprecher am Mittwoch nicht sagen. Feldmayer hatte sich nach seiner Verhaftung bis auf weiteres beurlauben lassen. Feldmayer war nicht der erste Top-Manager, der mit Schelsky einen Beratervertrag abschloss. Nach Angaben von Siemens erhielt Schelsky bereits 1990 nach seinem Ausscheiden als Siemens-Betriebsratschef in Erlangen einen Vertrag. Deshalb ermittelt die Nürnberger Staatsanwaltschaft auch gegen weitere Siemens-Manager, darunter den ehemaligen Siemens-Finanzvorstand und Ex-Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann.

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