Siemens-Vorstandsmitglied Krux : "Öko ist Exportschlager"

"Grüne Technologien wachsen überproportional, als gäbe es keine Krise", meint Barbara Krux, Vorstandsmitglied von Siemens.

Barbara Kux

Gerade in Deutschland haben wir hier eine große Chance, die wir nicht verspielen sollten. Deutsche Unternehmen sind weltweit führend bei Klimaschutztechnologien: Während unser Weltmarktanteil beim Export zehn Prozent beträgt, sind es bei umweltfreundlichen Produkten 16 Prozent.

Und die grünen Technologien wachsen überproportional, als gäbe es keine Krise. Der Markt für Off-Shore-Windanlagen wächst pro Jahr um mehr als 20 Prozent. In gleichem Umfang wächst der Markt für energieeffiziente Stromübertragung und Solarenergietechnik. Auf diesen Märkten entstehen Arbeitsplätze, die auch langfristig eine Zukunft haben. Bereits jetzt arbeiten in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen in diesem Bereich. Die Zahl kann weiter steigen, wenn wir die richtigen Schritte unternehmen.

Daher ist es gerade jetzt in Krisenzeiten richtig, ein Projekt wie Desertec zu starten. Das Vorhaben ist visionär und verlangt in den nächsten Jahrzehnten gewaltige Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, doch es wird Teile unserer Energieversorgung auf eine neue Grundlage stellen und einen deutlichen Wachstumsschub bringen. Wir stehen vor einer Wende in der Energiewirtschaft. Strom wird als Energieträger in Zukunft eine wesentlich größere Rolle spielen. Desertec ist hier ein Baustein im viel größeren Gefüge eines neuen Stromzeitalters.

Das ist die Vision: Thermische Solarkraftwerke bringen Sonnenenergie aus der Wüste über Stromautobahnen mit verlustarmer Hochspannungsgleichstromübertragung nach Europa – völlig ohne Kohlendioxidemissionen. Windkraftanlagen und photovoltaische Anlagen speisen zusätzlich regenerativen Strom ins Netz ein. Kleine, dezentrale Erzeugungseinheiten können zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet werden. Wenn zu viel Strom vorhanden ist, können Elektroautos geladen werden, die so zur Stabilisierung des Netzes beitragen.

Alle diese Technologien sind heute bereits vorhanden. Wir müssen sie nur umfassender einsetzen. Das wird zeigen, wie effizient diese Technologien sind und dass sie das Zeug zum Exportschlager haben. Das wird auch helfen, den Klimawandel zu bremsen und die Ressourcen zu schonen. Wie wichtig Sustainability in der Wirtschaft ist, hat uns die Finanzkrise deutlich gezeigt. Es funktioniert eben nicht, wenn die Ökologie nicht auf Nachhaltigkeit, sondern auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtet ist. Genauso wie Kredite nicht unbegrenzt sind, sind es auch unsere Ressourcen nicht.

Viele Regierungen haben inzwischen die richtigen Weichen gestellt. Studien zeigen, dass es langfristig deutlich mehr Wachstum kosten wird, wenn wir jetzt nicht handeln. Laut dem ehemaligen Chefökonomen der Weltbank Sir Nicholas Stern kostet es bis zu 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts, wenn wir weitermachen wie bisher – das übersteigt alle Negativprognosen der Wirtschaftskrise bei weitem. Es entspricht rund 8000 Milliarden Euro oder fast so viel wie dem Bruttoinlandsprodukt von Deutschland, Österreich, Großbritannien und Frankreich zusammen. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen in diesem Dezember muss die Staatengemeinschaft daher beweisen, dass sie es ernst nimmt mit der Verringerung der Treibhausgasemissionen, und klare sowie ehrgeizige Ziele festschreiben. Die deutsche Wirtschaft ist auf diese Herausforderung vorbereitet.

Die Autorin ist Vorstandsmitglied von Siemens, einem Mitglied der BDI-Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“ (www.wirtschaftfuerklimaschutz.eu).

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