Wirtschaft : Siemens will nach Tschechien verlagern 400 Stellen bei VDO in Würzburg bedroht

Nicole Huss

München - Bei dem Elektronikkonzern Siemens sind nach Arbeitnehmerangaben mehr als 900 Arbeitsplätze von der Streichung oder der Ausgliederung bedroht. Nach Angaben von IG Metall und Betriebsrat handelt es sich um Beschäftigte in der Transportsparte Siemens Transportation Systems (TS) und beim Automobilzulieferer VDO.

Bei VDO hieß es am Mittwoch aus Betriebsratskreisen, die Geschäftsleitung habe mit der Verlagerung von rund 400 Stellen von Würzburg nach Tschechien gedroht, sofern die Arbeitskosten vor Ort nicht gesenkt würden. Zudem habe sie eine Vereinbarung gekündigt, nach der betriebsbedingte Kündigungen unter bestimmten Bedingungen ausgeschlossen waren. „Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten können und sprechen darüber mit dem Betriebsrat“, bestätigte ein VDO-Sprecher dem Tagesspiegel. Es gebe allerdings noch keine konkreten Sparpläne und keinen Zeitdruck.

Die 1650 VDO-Mitarbeiter in Würzburg produzieren Auto-Zubehörteile und Kleinmotoren für Fensterheber und Schiebedächer. Wolfgang Müller von der IG Metall kritisierte, dass Siemens nun auch in profitablen Bereichen massiv sparen wolle. „Wenn sogar eine so hochprofitable Sparte wie VDO über Verlagerungen nachdenkt, sehe ich schwarz“, sagte er. VDO hatte im abgelaufenen Quartal die Margenziele des Konzerns erfüllt.

Auch in der Problemsparte TS, zu der unter anderem die Pannen-Straßenbahnen vom Typ Combino gehören, sehen Betriebsrat und Gewerkschaft schwere Zeiten auf die Belegschaft zukommen. Der Fahrleitungsbau, wo Siemens seit einiger Zeit mit Auslastungsproblemen kämpft, soll nach Angaben eines Siemens-Sprechers bis Ende des Jahres in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Baufirma Leonhard Weiss eingebracht werden. Im Zuge dessen sollen die 520 Siemens-Beschäftigten nach Angaben der IG Metall vom Metall-Flächentarifvertrag in den weitaus weniger lukrativen Tarif des Baugewerbes wechseln. Die Beschäftigten verlören damit nach Gewerkschaftsangaben mehr als 30 Prozent ihres Lohns und müssten künftig 39 statt 35 Wochenstunden arbeiten.

Mit den Plänen führt Siemens die Strategie fort, alle Standorte in Deutschland auf Einsparpotenziale hin zu durchleuchten. Ende Juni hatte sich der Konzern nach zähem Ringen mit der IG Metall auf längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich für mehr als 4000 Beschäftigte in den Werken Bocholt und Kamp-Lintfort geeinigt und damit eine Diskussion über längere Arbeitszeiten ausgelöst.

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