Wirtschaft : Siemens zieht den Stecker Konzern hält Stromtankstellen für uninteressant

Berlin - Der Technologiekonzern Siemens zieht sich wegen der schwachen Entwicklung des Elektro-Automarkts aus dem Geschäft mit Strom-Ladesäulen zurück. Daran können Elektroautonutzer ihre Fahrzeuge per Kabel aufladen. Gedacht ist das System vor allem für Städte. Der Konzern will versuchen, die betroffenen Mitarbeiter in anderen Sparten unterzubringen.

Kabellose Ladestationen, die den Strom mittels Induktion übertragen und „Wallboxes“ für das Laden in der eigenen Garage will Siemens aber weiter entwickeln. Auch an komplexer Steuerungssoftware wolle man weiter arbeiten. Bereits bestehende Säulen werden nicht abgebaut.

Der einstige Siemens-Chef Peter Löscher hatte große Hoffnungen in die Entwicklung der Elektromobilität gesetzt. Zurzeit sind auf deutschen Straßen aber erst rund 16 000 Elektroautos unterwegs. Bei Autofahrern sind sie wegen ihres hohen Anschaffungspreises und ihrer geringen Reichweite unbeliebt. Experten des Marktbeobachters IHS zufolge könnten rein elektrisch betriebene Autos 2020 einen Marktanteil von 6,4 Prozent erreichen. Das wären nur 192 000 Autos – die Bundesregierung hat sich aber vorgenommen, bis 2020 eine Million Stromautos auf die Straße zu bringen. Zu diesem Zweck haben Industrie, Verbände und Wissenschaftler die Nationale Plattform Elektromobilität gegründet.

Es ist noch unklar, wie die Konkurrenz auf den Ausstieg von Siemens reagiert. Der Stromversorger RWE wollte auf Anfrage nichts zu seiner Strategie sagen. Der Aufbau einer flächendeckenden Ladesäulen-Infrastruktur in Städten gilt als teuer und langwierig. Zugleich lässt sich mit den Stromtankstellen nicht besonders viel Geld verdienen. Zukünftig soll es möglich sein, sein Elektroauto zu Hause, auf dem Firmenparkplatz, beim Einkaufen oder an einer öffentlichen Ladesäule aufzuladen. sam/dpa

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