Wirtschaft : Siemens zögert bei Osram

Wegen der Finanzkrise könnte der Börsengang der Siemens-Tochter verschoben werden - womöglich fällt er sogar ganz aus

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Teure Produktion. Osram hob den Preis für Energiesparlampen zuletzt deutlich an. Begründung: Die Kosten für Rohstoffe wie Seltene Erden sind extrem gestiegen. Foto: ddp
Teure Produktion. Osram hob den Preis für Energiesparlampen zuletzt deutlich an. Begründung: Die Kosten für Rohstoffe wie Seltene...Foto: ddp

Berlin - Der für den Herbst geplante Börsengang von Osram wird immer unwahrscheinlicher. Siemens sehe angesichts des Absturzes an den Börsen keine Chance mehr, in diesem Jahr genügend Investoren für die Aktien der Lichttochter zum gewünschten Preis zu finden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Siemens wolle 2012 einen neuen Anlauf nehmen. Eine offizielle Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es in Finanz- und Branchenkreisen. „Es gibt in der Sache nichts Neues“, sagte ein Siemens-Sprecher auf Anfrage. Analysten gehen jedoch davon aus, dass Siemens seine Pläne ändern wird.

Ursprünglich wollte Siemens die Lichttochter im Herbst an die Börse bringen, dabei aber langfristig Aktionär bleiben. Hintergrund ist, dass Osram mit weltweit 40 000 Mitarbeitern – rund 1700 davon in Berlin – und einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro (2010) auf eigenen Beinen stehen soll, um flexibler agieren zu können. Zudem war Siemens nicht bereit, weiter in das Geschäft zu investieren. Der Lichtmarkt befindet sich im Umbruch. Investitionen im Milliardenumfang etwa in LED-Technik sind nötig. Hinzu kommt die schwierige Marktsituation: Wegen des rasanten Anstiegs der Rohstoffpreise hatte Osram die Preise für Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren zuletzt um bis zu 25 Prozent erhöhen müssen.

„Ich glaube nicht mehr an einen Börsengang in diesem Jahr“, sagte ein Analyst in Frankfurt am Main. Dennoch liefen die Vorbereitungen für den Börsengang intern weiter, berichtet Rossen Koev von Independent Research. „Alles ist auf den Herbst ausgerichtet, wobei der Herbst bei Siemens offenbar am 31. Dezember endet.“ Siemens werde erst die Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal, das bis Ende September läuft, ansehen und dann eine Entscheidung treffen. „Ich gehe nicht davon aus, dass der Börsengang noch in diesem Jahr stattfindet“, meint Koev. Gegen den Gang aufs Parkett spräche nicht nur das ungünstige Börsenumfeld, sondern auch die ungünstige Situation auf dem Lichtmarkt. „Auf der einen Seite steht die Siemens-Aktie wegen ihrer hohen Konjunkturabhängigkeit enorm unter Druck“, sagte Koev. „Auf der anderen Seite hat Osram wegen der steigenden Rohstoffpreise mit extrem gesunkenen Margen zu kämpfen.“

Siemens bisheriger Plan sieht vor, 50 Prozent plus eine Aktie an die Börse zu bringen. Ursprünglich hatten Analysten den Gesamtwert von Osram auf bis zu sechs Milliarden Euro geschätzt. „Im Moment ist das völlig unrealistisch“, sagte der Frankfurter Analyst. Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte auch die Möglichkeit einer reinen Abspaltung von Osram und die Ausgabe von Osram-Aktien an die Siemens-Aktionäre ins Gespräch gebracht. Dann flösse jedoch kein Geld an das Unternehmen. „Siemens ist in der komfortablen Situation, eine gesunde Bilanz zu haben. Man könnte das also vertreten“, sagte der Analyst. Corinna Visser

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