Wirtschaft : Silber

Wegen Spekulationen wurde das Metall billiger – aber nur zeitweise

Nora Luttmer

PREIS DER WOCHE

Silber übt auf Spekulanten einen besonderen Reiz aus. Etwa auf die drei Gebrüder Hunt, die Ende der siebziger Jahre versuchten, alle Silber-Vorräte der Welt aufzukaufen. So wollten sie das Angebot beherrschen und den Preis festlegen. Doch während ihrer bizarren Kaufaktion stieg der Silberpreis bereits auf 50 Dollar pro Unze (31,1 Gramm). Folge: Den Brüdern ging das Geld aus – und das manipulierte Preisgebilde brach zusammen.

Auch im Juli waren es wieder Spekulanten, die den Silberpreis an den Rohstoffmärkten kurzfristig auf 5,21 Dollar pro Unze trieben, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Traditionell laufen Silber- und Goldpreis parallel. Ein Streik in der südafrikanischen Anglogold-Mine, der zweitgrößten der Welt, verknappte und verteuerte das Gold – das gab auch dem Silberpreis einen Schub. Zudem mussten zu diesem Zeitpunkt Spekulanten, die Silber auf Papier verkauft hatten, ohne es tatsächlich zu besitzen, Silber aufkaufen. Dies verknappte das Angebot zusätzlich und trieb den Preis weiter in die Höhe. Das reizte weitere Investoren, in den Silberhandel einzusteigen – sie nahmen an, der Preisanstieg sei von Dauer.

War er aber nicht. Grund: Die Nachfrage nach Silber brach ein. Die Industrie, mit rund 70 Prozent Hauptabnehmer des Silbers, weigerte sich, die hohen Preise zu zahlen. Und weil ihre Lager gut gefüllt waren, konnten sie die Silberhändler zappeln lassen. Folge: Die Spekulationsblase platzt, der Preis pendelt seitdem wieder um die Fünf-Dollar-Marke.

Für Käufer von Silber oder Produkten, in denen Silber verarbeitet ist, haben derartige Schwankungen allerdings keine Bedeutung. „Nur wenn der Preis langfristig stark ansteigen würde, hätte das Auswirkungen auf den Ladenpreis“, sagt eine Sprecherin des Haushaltswaren-Herstellers WMF.

Mit einer Verteuerung des Edelmetalls ist Branchenkennern zufolge vorerst nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Der Siegeszug der Digitalkameras und mithin der Rückzug herkömmlicher Fotografie könnte die Nachfrage nach Silber einbrechen lassen. Bislang wird ein Viertel des neu geförderten Silbers von der Fotoindustrie verarbeitet. Allein in der ersten Jahreshälfte 2003 ist der Markt für Fotopapier aber um 15 Prozent eingebrochen.

Anleger, die sich Silber als Geldanlage in den Tresor gelegt haben, können dennoch hoffen. Händler verweisen auf die so genannte „China-Theorie“. Momentan wirft die Volksrepublik jährlich bis zu 95 Millionen Unzen auf den Markt. Diesen Angebotsschwall können die Chinesen nicht ewig durchhalten, argwöhnen Experten – und hoffen auf steigende Preise, wenn die Lager im Reich der Mitte eines Tages leer sind. Foto: promo

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