Simbabwe : Keine Geschäfte mit Mugabe

Ein knappes Dutzend deutscher Firmen ist noch in Simbabwe aktiv. Doch immer mehr Unternehmen ziehen sich zurück – nicht nur wegen der politischen Lage.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

Am 22. Juli wollen die Außenminister der Europäischen Union darüber entscheiden, ob die diplomatischen Sanktionen gegen Simbabwe auch auf die Wirtschaft ausgeweitet werden. Quasi im Vorgriff hat nach massiven Protesten deutscher Politiker und Menschenrechtsgruppen der Münchner Banknotenhersteller Giesecke und Devrient in dieser Woche die Lieferung von Geldscheinpapier an die Zentralbank von Simbabwe mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Entscheidung sei getroffen worden, weil sich die politische Lage deutlich verschärft habe, sagte Karsten Ottenberg als Vorsitzender der Geschäftsführung. Gleichwohl werden die Münchner nun mit Argusaugen beobachten, ob ein internationaler Konkurrent als Ersatzlieferant für Simbabwe einspringt. 40 Jahre lang war Giesecke und Devrient Lieferant der Zentralbank in Harare.

Die Firma Crane AB ist es offenbar nicht. Deren Geschäftsführer Tomthy Crane sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, sein Unternehmen habe „keine Beziehung zur Zentralbank von Simbabwe“ und sei als amerikanisches Unternehmen auch „nicht daran interessiert, mit der Regierung von Simbabwe zusammenzuarbeiten“. Die Schweizer Konkurrenz Sicpa dagegen verweigert jede Auskunft über mögliche Geschäftsbeziehungen.

Banknoten sind im früheren Rhodesien von enormer Bedeutung: Der südafrikanische Binnenstaat hat weltweit die höchste Inflationsrate. Offiziell liegt sie bei fast 200 000 Prozent, inoffizielle Schätzungen sehen die Teuerung zwischen zwei und fünf Millionen Prozent (siehe Kasten). Bislang hielt sich die Machtclique in Harare vor allem mit der Druckerpresse am Ruder – das könnte ohne den Nachschub viel schwieriger werden.

Auch andere Unternehmen wie das britisch-südafrikanische Minenhaus Anglo American sind zuletzt ins Visier von Politik und Menschenrechtlern geraten. Der Bergbaukonzern plant die womöglich größte Direktinvestition in der Geschichte Simbabwes. Zwar gibt es Wirtschaftssanktionen formell noch nicht. Doch inzwischen haben ohnehin viele ausländische Unternehmen wegen der langen Krise ihre Investitionspläne aufgegeben oder sich bereits zurückgezogen. Sie verweisen auf den Devisenmangel, die Rechtlosigkeit und den wertlosen Simbabwe-Dollar, dessen totaler Wertverfall viele Unternehmen zwingt, das eigene Geschäft zu subventionieren.

Ein Beispiel ist die im niederbayerischen Hauzenberg ansässige Graphit Kropfmühl AG, die zu den wenigen deutschen Unternehmen in Simbabwe zählt. Seit mehr als 30 Jahren fördert das Unternehmen in einem Gemeinschaftsprojekt mit einer Gesellschaft des Bergbauministeriums Graphit aus der Lynx-Mine, fast 300 Kilometer nordwestlich von Harare. Trotz permanenter Stromausfälle liegt die Förderung bei 500 bis 600 Tonnen im Monat – die Hälfte dessen, was unter normalen Umständen möglich wäre. „Wir müssen das Geschäft subventionieren, aber langfristig ist das Bergwerk für uns eine gute Rohstoffquelle“, sagt Vorstandschef Martin Ebeling. Tatsächlich sichert die Firma derzeit vor allem das Überleben ihrer Mitarbeiter. Rund 300 von ihnen leben mit ihren Familien direkt neben der Mine in einer Siedlung, die von dem deutschen Unternehmen versorgt wird. Es liefert Strom, Nahrungsmittel, Wasser und Unterkunft.

Graphit Kropfmühl gehört zu knapp einem Dutzend deutscher Unternehmen, die noch in Simbabwe aktiv sind. Viele Anlagen sind inzwischen wegen geringer Auslastung geschlossen worden. Dabei waren deutsche Firmen vor dem politischen Amoklauf Mugabes, der im Februar 2000 begann, noch überproportional bedacht worden: etwa Siemens beim Ausbau des Mobilfunknetzes, ABB- Mannheim beim Bau des neuen internationalen Flughafenterminals und Ferrostaal. Von den großen Konzernen hat nach Angaben der deutschen Botschaft in Simbabwe nur noch Siemens ein Büro.

Gegen den Trend lief bislang vor allem Anglo American. Der britisch-südafrikanische Konzern rechtfertigte die Investition mit einer Verpflichtung gegenüber den mehr als 650 Angestellten. Sollte Anglo American das Projekt nicht entwickeln, droht eine Übernahme der Mine durch die Regierung – und eine mögliche Weitergabe an Firmen aus China oder Russland.

Schon lange aktiv im simbabwischen Platingürtel ist der weltweit zweitgrößte Platinkonzern Impala Platinum (Implats) aus Südafrika. Er hat dort große Reserven nahe an der Oberfläche. Weil das Regime in Harare aber zu Jahresbeginn ein Gesetz verabschiedet hat, wonach künftig 51 Prozent der Anteile einer neuen Firma in simbabwischen Händen liegen müssen, baut Implats die Förderung wesentlich langsamer aus als geplant. Auch der Bergbaukonzern könnte irgendwann zu einem Minderheitseigner an seinen eigenen Gruben werden. Doch noch ist er wegen seiner Deviseneinkünfte für das Regime viel zu kostbar, als dass ihn die Machthaber in Harare gerade jetzt verstaatlichen würden.

Egal wie sich die westlichen Firmen entscheiden, ihre in Menschenrechtsfragen weniger zimperlichen Konkurrenten aus Russland und China stehen schon in den Startlöchern. So sicherte sich das chinesische Eisenerzunternehmen Sinosteel Ende 2007 die Mehrheit an Simbabwes größtem Ferrochromproduzenten Zimasco. mit feb/deh

Seite 6

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben