Sinkende Energiepreise : Strom wird billiger - vorerst nicht in Berlin

Auf breiter Front senken die Grundversorger die Stromtarife zum neuen Jahr. In der Hauptstadt lässt sich Vattenfall Zeit. Und beim Gaspreis winkt die Gasag bereits ab.

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Hoch hinaus. Jahrelang kannte der Strompreis nur eine Richtung: nach oben. Seit 2000 haben sich die Kosten für Verbraucher verdoppelt. Foto: dpa
Hoch hinaus. Jahrelang kannte der Strompreis nur eine Richtung: nach oben. Seit 2000 haben sich die Kosten für Verbraucher...Foto: dpa

Sechs Wochen vor Silvester hat das neue Jahr schon seine erste Überraschung. Strom wird billiger – jedenfalls vielerorts. Derzeit haben bereits mehr als 130 Stadtwerke und andere Grundversorger angekündigt, ihre Basistarife zum Stichtag 1. Januar 2015 zu senken. Das berichtete am Montag das Vergleichsportal Check24 in München. In den kommenden Tagen dürfte die Zahl noch steigen. „Im Augenblick können wir unsere Aufstellung praktisch stündlich aktualisieren“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Wegen einer Sechs-Wochen-Frist bei Preisänderungen müssen sich die Versorger bis zum 20. November äußern, wenn sie ihr Tableau zum Jahreswechsel anpassen wollen. Und weil gute Nachrichten leichter über die Lippen gehen als schlechte, sind viele Anbieter schon jetzt mit ihren Ankündigungen auf dem Markt.

Schmallippig hingegen zeigt man sich derzeit beim Berliner Grundversorger Vattenfall. Es gebe noch keinen finalen Preis, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Ein konkretes Datum, zu dem die neuen Tarife verkündet werden, konnte er ebenfalls nicht nennen. Realistisch dürfte aber wohl Mitte Dezember sein – das Unternehmen wartet noch darauf, dass die regional unterschiedlichen Netzentgelte für das kommende Jahr feststehen. Selbst wenn es wahrscheinlich ist, dass auch in der Hauptstadt der Preis für Elektrizität sinkt, kommen Berliner Stromkunden zumindest nicht schon zum Jahreswechsel in diesen Genuss.

Die Einsparungen halten sich in Grenzen

Über die Verspätung hinwegtrösten kann sie dabei möglicherweise die Tatsache, dass die Einsparungen im Durchschnitt eher übersichtlich ausfallen. Nach den derzeitigen Daten von Check24 liegt der Rabatt im Mittel bei 2,4 Prozent. Bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden jährlich wären dies 35 Euro weniger. Allerdings, so betont das Vergleichsportal, gebe es auch Anbieter, bei denen der Kunde beinahe ein Zehntel oder 134 Euro spare. Erhöhungen haben nach derzeitigem Stand lediglich vier Versorger angekündigt.

Verantwortlich für die auf breiter Front sinkenden Preise sind Experten zufolge hauptsächlich drei Faktoren: zum einen die seit langem niedrigen Kurse an der Leipziger Strombörse EEX. Diese sind unter dem Druck des Ökostromausbaus und der Überkapazitäten bei den Kraftwerken allein seit Anfang 2013 um ein Viertel zurückgegangen. Zum Zweiten sinkt im kommenden Jahr erstmals leicht die Umlage zur Förderung des Ökostroms (EEG-Umlage). Zum Dritten steigen die Gebühren für die Stromnetze in einigen Regionen – allerdings nur leicht. Dennoch dämpft dieser Faktor den Spielraum für Preisnachlässe eher, als dass er ihn vergrößert.

Vattenfall ist in großer Gesellschaft

Vor allem angesichts der günstigen Beschaffungskosten an der Strombörse fordern Verbraucherschützer schon seit geraumer Zeit eine Reaktion der Versorger. Ob die Kritiker nun verstummen, ist angesichts der überschaubaren Rabatte fraglich. Schließlich kannten die Strompreise in den vergangenen Jahren fast immer nur eine Richtung: nach oben. Dem statistischen Bundesamt zufolge haben sie sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt.

Unter den Anbietern, die ihre Kunden entlasten, sind Versorger wie EnBW, Entega, die Frankfurter Mainova und die Stadtwerke München. Wie Vattenfall halten sich auch die Großkonzerne Eon und RWE noch bedeckt.

Gasag kauft früh - und ärgert sich

Preisänderungen gibt es zum Jahreswechsel mancherorts auch bei der Gasversorgung. So hätten bereits 18 Grundversorger sinkende Preise für die Verbraucher angekündigt, berichtet Check24. Auch in dieser Aufstellung fehlt Berlin: Die Gasag werde die Preise augenblicklich nicht verändern, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Es wird nicht teurer – aber eben auch nicht billiger.

Sie begründete die „stabilen“ Preise damit, dass die Gasag die Versorgung für den anstehenden Winter bereits vor einigen Monaten gesichert habe. Natürlich sei es auch aus Sicht der Gasag ärgerlich, dass die Großmarktpreise seither gefallen seien. Aber: „Als größter Gasversorger für Berlin müssen wir die Versorgungsicherheit gewährleisten.“

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