Wirtschaft : Sinkender Ölpreis hebt Dax auf Jahreshoch Deutsche Bank warnt vor Risiken am Golf

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Berlin Weiter sinkende Ölpreise haben am Donnerstag die Aktienkurse an den Börsen nach oben getrieben. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss mit 4216,40 Punkten (plus 0,73 Prozent) auf dem höchsten Stand in diesem Jahr. Positiv aufgenommen haben die Investoren an der Börse zudem gute Auftragszahlen aus den Vereinigten Staaten.

Der Preis für das Rohöl sackte unterdessen weiter und lag damit zehn Dollar unter dem Niveau von Ende Oktober. Der Ölpreis in New York notierte am Nachmittag bei knapp 44 US-Dollar je 159-Liter-Fass. Zum Abend hin sank der Preis weiter auf 43,15 Dollar – 2,34 Dollar weniger als am Vortag. Für ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent wurden in London zeitweise weniger als 40 US-Dollar bezahlt. Grund für die Preisschwäche ist die unerwartet hohe Bevorratung an Heizöl in den USA im November. Dadurch sank die Besorgnis der Anleger vor einer Belastung der Weltwirtschaft durch die zu hohe Energiekosten.

Auch wenn das Öl seit Wochen immer billiger wird, warnen Experten davor, den Trend überzubewerten. Im Gegenteil: Wegen der Preisexplosion der vergangenen Monate, die nur von wenigen Marktbeobachtern vorhergesagt worden war, sind alle Prognostiker vorsichtig geworden. Es mehren sich die Stimmen, die den Ölpreis schon in wenigen Jahren dauerhaft über dem Rekordniveau von 55 Dollar sehen.

So geht auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ungeachtet des jüngsten Preisverfalls davon aus, dass Rohöl mittelfristig „60 Dollar und mehr“ kosten wird. Nach seiner Einschätzung hat die Wirtschaft zu lange den falschen Preisprognosen der Marktbeobachter vertraut und deshalb notwendige Investitionen in die Exploration unterlassen.

Nach einer Analyse der Bank wird der Preisdruck beim Öl in den nächsten Jahrzehnten massiv zunehmen, weil die Vorräte nach heutiger Einschätzung nur noch 43 Jahre reichen. Hinzu komme, dass die längerfristige Versorgung mit Öl nicht nur wegen seiner geringen Reserven als unsicher gelte, sondern auch wegen der hohen Konzentration der weltweiten Ölreserven in der Region des Persischen Golfs. „Damit geht eine zusätzliche politische Unsicherheit einher“, heißt es in der Deutsche-Bank-Studie.

Nach den Berechnungen der Banker wird die Ölproduktion in Russland etwa bis 2030 nur von 7,7 (2002) auf 10,8 Millionen Fass pro Tag steigen. Die Opec-Staaten am Persischen Golf dagegen würden ihre Förderung von 19 auf 51 Millionen Fass beinahe verdreifachen. Der Anteil der Golf-Opec-Staaten an der Weltproduktion werde damit von einem Viertel auf 43 Prozent steigen. Diese Länder kontrollierten zwei Drittel der Weltölreserven und 70 Prozent der Erdgasreserven. „Damit liegt eine Konzentration wichtiger Energieträger in einer relativ unsicheren Region vor“, heißt es weiter.

Die Opec kündigte an, bei anhaltend hohen Ölpreisen auch in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres das Förder- und Exportniveau beizubehalten. „Ich denke, wir werden eine Überproduktion tolerieren, da der Preis noch hoch ist“, sagte Opec-Chef Purnomo Yusgiantoro. Die Opec will bei ihrem Treffen am 10. Dezember in Kairo über ihre Preis- und Mengenstrategie im ersten Quartal beraten. Die Opec produziert derzeit mit täglich schätzungsweise 27,9 Millionen Barrel pro Tag die höchste Ölmenge seit 25 Jahren.

Damit liegt die tatsächliche Fördermenge um 900.000 Barrel täglich über der seit dem 1. November geltenden offiziellen Obergrenze. Der Iran hat sich für eine Drosselung der Überproduktion ausgesprochen, damit es im Winter nicht zu einer Lagerbildung kommt. fo

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