Sinkflug bei Airbus : Fast kein Gewinn mehr bei EADS

Die Flugzeugtochter Airbus zieht den Mutterkonzern nach unten. Das Ergebnis schrumpft um 93 Prozent.

Sebastian Gierke
EADS Airbus
Airbus-Mitarbeiter montieren im Werk in Hamburg-Finkenwerder einen Airbus A319. -Foto: dpa

München - Ein drastischer Gewinneinbruch – und trotzdem die Erwartungen nicht enttäuscht. Das ist die etwas paradoxe Situation des europäischen Flugzeug- und Rüstungskonzerns EADS nach Veröffentlichung des Konzernergebnisses für das erste Halbjahr 2007. Analysten hatten angesichts der großen Probleme des Unternehmens nämlich damit gerechnet, dass EADS zwischen Januar und Juni so gut wie keinen Gewinn vermeldet. 71 Millionen Euro sind es stattdessen geworden. Aber: In der ersten Jahreshälfte 2006 hatte EADS noch ein Ergebnis von rund einer Milliarde Euro ausgewiesen – das entspricht einem Minus von 93 Prozent. Der Umsatz ging seit Januar um drei Prozent auf 18,5 Milliarden Euro zurück.

Die Probleme bei EADS sind größer denn je. Vor allem die Krise der Flugzeugtochter Airbus hat zu dem drastischen Abschmelzen der Gewinne geführt. Doch auch die Rückstellungen für das Airbus-Restrukturierungsprogramm „Power 8“ und der schwache Dollar wirkten sich negativ aus. „Noch ist nichts konkret“, betonte daher Finanzchef Hans Peter Ring am Donnerstag in München. Doch Einsparungen über „Power 8“ hinaus könnten notwendig werden, falls der Dollar gegenüber dem Euro weiter an Wert verliere. Nach den bisherigen Plänen sieht das Programm den Abbau von 10 000 Stellen bei Airbus vor.

„Nicht zufrieden sind wir mit der Entwicklung des Flugzeugprogramms“, erklärte Ring. Aktuell gebe es hier viele Baustellen: Zum einen sind EADS hohe Kosten durch die Probleme beim Prestigeobjekt A380 entstanden. Der Großraumflieger musste unter anderem an Rumpf und Bordelektronik nachgebessert werden. Aber auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für den neuen Airbus A350 und den Militärtransporter A400M stiegen stärker als angenommen. Beim A400M seien außerdem „bedeutende Risiken“ durch Verzögerungen, vor allem bei Zulieferern, entstanden, gab Ring zu. Der Erstflug müsse von April 2008 um mehrere Monate voraussichtlich auf den kommenden Sommer verschoben werden. Die Zulieferer stünden unter Druck, außerdem könnten späte Design-Anpassungen notwendig werden. „Weder die Kosten noch die genauen Verzögerungen lassen sich bisher endgültig absehen“, so Ring. Bei Verspätungen können Strafzahlungen auf das Unternehmen zukommen.

Der Sinkflug bei Airbus setzt sich also fort. US-Konkurrent Boeing hatte am Mittwoch glänzende Ergebnisse vorgelegt und die Prognosen für das Gesamtjahr leicht angehoben. Das Airbus-Ergebnis vor Zinsen und Steuer (Ebit) schmolz dagegen im zweiten Quartal massiv: um 89 Prozent auf 88 Millionen Euro. Seit Januar schrumpfte das Ebit sogar um 99 Prozent auf 19 Millionen Euro. „Darin spiegeln sich die bekannten Herausforderungen wider“, gaben sich die EADS- Chefs Thomas Enders und Louis Gallois kämpferisch. In der vergangenen Woche hatten die Anteilseigner Deutschland und Frankreich die Abschaffung der EADS-Doppelspitze beschlossen. Der Franzose Louis Gallois wird alleiniger Konzernchef, sein bisheriger Co-Chef Thomas Enders ist als Airbus-Chef vorgesehen.

Hoffnung macht Enders der Rekordauftragseingang von 680 Flugzeugen bis Ende Juni. Er sieht darin den Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus. Und so bestätigte EADS trotz der vielfältigen Probleme seinen Geschäftsausblick für 2007. Der Umsatz werde voraussichtlich nur um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz fallen.

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