SIS : Siemens verschenkt IT-Sparte

Der Konzern hat seine Problemtochter SIS an das französische Unternehmen Atos Origin abgegeben. Gewinn wurde keiner erzielt - im Gegenteil: Als Gegenleistung vergab Siemens an die Franzosen einen der weltweit größten IT-Outsourcing-Aufträge.

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Bei Siemens wird noch vor Jahresfrist kräftig umgebaut.
Bei Siemens wird noch vor Jahresfrist kräftig umgebaut.Foto: reu

Siemens räumt noch vor Jahresende auf. Der Technologiekonzern gibt seine verlustreiche Tochter Siemens IT Solutions and Services (SIS) an Atos Origin ab. Im Gegenzug erhält Siemens eine 15-prozentige Beteiligung an dem französischen IT-Dienstleister, die mindestens fünf Jahre gehalten werden muss. „Wir schaffen einen europäischen Champion“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher am Mittwoch. Beide Unternehmen ergänzten sich hervorragend.

Mit der Trennung wird Siemens eines seiner letzten Sorgenkinder los und kann den tiefgreifenden Konzernumbau weitgehend abschließen. Doch das kostet noch einmal viel Geld und weitere 1750 Arbeitsplätze, 650 davon in Deutschland.

Die Börse reagiert positiv. Die Siemens-Aktie legte zeitweise auf ein Drei-Jahres-Hoch von 93,49 Euro zu und schloss 2,3 Prozent im Plus bei 93,19 Euro. Die Papiere von Atos Origin verteuerten sich um zwölf Prozent. „Wir haben nicht damit gerechnet, den Tag noch zu erleben, an dem sich Siemens von der problematischen Tochter SIS trennt“, hieß es in einer Studie von Unicredit. Zwar sei das Geschäft mit einigen Fallstricken verbunden. Es zeige aber, dass das Management es mit der Konzentration auf die Kernbereiche Industrie, Energie und Gesundheit ernst meine. Auch die UBS wertete es positiv, dass Siemens mit der Bereinigung seines Portfolios vorankomme. „Der Albtraum ist beendet“, sagte ein Analyst.

Gehört nicht mehr zu Siemens: Das Tocherunternehmen SIS ist trotz aller Widerstände der IG-Metall verkauft worden.
Gehört nicht mehr zu Siemens: Das Tocherunternehmen SIS ist trotz aller Widerstände der IG-Metall verkauft worden.Foto: dpa

Die IT-Tochter SIS hatte nach starken Rückgängen zuletzt noch knapp 4,2 Milliarden Euro umgesetzt. Der operative Verlust summierte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 537 Millionen Euro. Bei der nun mit Atos vereinbarten Transaktion kann man daher nicht von einem Verkauf sprechen. Zwar erhält Siemens rund 12,5 Millionen neue Aktien von Atos mit einem aktuellen Wert von 414 Millionen Euro sowie eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe über 250 Millionen Euro und rund 186 Millionen Euro in bar, insgesamt also 850 Millionen Euro. Doch Siemens hat umfangreiche Zusagen gemacht: Zum einen erteilt der Konzern Atos einen Auftrag von 5,5 Milliarden Euro für IT- Dienstleistungen in den kommenden sieben Jahren und damit einen der weltweit größten IT-Outsourcing-Aufträge, wie Siemens mitteilte. Zudem investieren Atos und Siemens je 50 Millionen Euro in die gemeinsame Entwicklung von IT-Produkten und Lösungen. Zum anderen stellt der Konzern 250 Millionen Euro für die Integration und Weiterbildung der Mitarbeiter zur Verfügung. Auch die Pensionsverpflichtungen in Milliardenhöhe bleiben bei Siemens. „Insgesamt rechnet Siemens mit einer deutlich negativen Ergebniswirkung im Geschäftsjahr 2011“, teilte das Unternehmen mit.

Analysten erwarten, dass mittelfristig weitere Portfolioveränderungen anstehen. So stelle das Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN) kein Kerngeschäft für Siemens mehr dar, schrieb die DZ Bank in einer Analyse.

Mit der Übernahme von SIS will Atos in der IT-Servicebranche mittelfristig Europas Nummer eins werden. Bisher liegt Atos allein auf Platz sieben und SIS auf Rang zehn, weltweit wird der Markt von IT-Größen wie IBM, HP oder Fujitsu dominiert. Zusammen kommen Atos und SIS auf einen Umsatz von 8,7 Milliarden Euro und fast 79 000 Mitarbeiter.

In Berlin hat SIS nach Angaben von Siemens aktuell rund 400 Mitarbeiter. Ob und in welcher Zahl die Berliner Mitarbeiter vom Stellenabbau betroffen sein werden, sagte Siemens nicht. Vor allem Stellen in Zentral- und Verwaltungsfunktionen würden wegfallen, hieß es nur.

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