Wirtschaft : Situation in Ostdeutschland stabilisiert sich

BvS-Studie: Beschäftigungsabbau könnte langsam zum Stillstand kommen / Investitionen gehen zurück

BERLIN (dr).Relativ zuversichtlich hat sich die Treuhandnachfolgerin Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) über die Beschäftigungssituation in den von ihr privatisierten Unternehmen in den neuen Bundesländern geäußert.Nach einer Studie, die dem Tagesspiegel vorliegt, ist zwar im vergangenen Jahr nochmals ein Beschäftigungsrückgang um rund 19 000 Personen zu verzeichnen, der Umfang des Personalrückgangs sei jedoch gegenüber dem Vorjahr ­ als über 70 000 Arbeitsplätze abgebaut wurden ­ deutlich zurückgegangen, schreibt die Anstalt in einer Pressemitteilung.Nach den derzeitigen Personaldispositionen der Unternehmen könne sich der Beschäftigungsabbau im kommenden Jahr weiter abschwächen und danach sogar eine Stabilisierung eintreten. Am ausgeprägtesten sei der Trend in den vollständig privatisierten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes.Während 1996 noch ein Beschäftigungsrückgang von rund fünf Prozent beklagt werden mußte.Im laufenden Jahr waren es "nur" noch zwei Prozent.Der Rückgang liege damit unter dem Gesamtdurchschnitt des ostdeutschen Gewerbes von vier Prozent, schreibt die Anstalt. Die Stabilisierungstendenz in den privatisierten Unternehmen habe insbesondere Gewicht, da diese Betrieb annähernd die Hälfte der Arbeitsplätze im industriellen Bereich des ostdeutschen verarbeitenden Gewerbes (ohne Handwerk) stellten. Hingegen halte der überdurchschnittliche Abbau der Beschäftigung im Baugewerbe an, muß die BvS feststellen.Im laufenden Jahr sei die Beschäftigtenzahl in den vollständig privatisierten Betrieben um über 8 Prozent zurückgegangen.Nach den Umfrageergebnissen wäre allerdings für das kommende Jahr etwa mit einer Halbierung des derzeitigen Beschäftigungsrückgangs zu rechnen. Insgesamt sei mit 41 Prozent der Anteil der vollständig privatisierten Firmen, die ihren Beschäftigungsstand halten wollen, am größten.Allerdings sei er gegenüber der Vorjahresumfrage ­ damals lag er bei 45 Prozent ­ leicht zurückgegangen, räumt die BvS ein.Zudem sei auf der anderen Seite der Anteil der Firmen, die nach Auslaufen der Zusagen an die Treuhandnachfolgerin ihre Beschäftigtenzahl erhöht haben oder erhöhen wollten von 23 Prozent auf jetzt 29 Prozent geklettert.Mit 32 (Vorjahr 32) Prozent habe sich der Anteil derjenigen Firmen, die nach Auslaufen der Arbeitsplatzzusage Personal abgebaut haben beziehungsweise abbauen wollten nicht verschlechtert.Nach der Umfrage wollen insgesamt 70 Prozent der Unternehmen nach Auslaufen der Arbeitsplatzzusagen ihren Personalbestand zumindest halten ober sogar vergrößern.Das hebe sich positiv vom Durchschnitt der ostdeutschen Industrie ab, betont die BvS. Das Investitionsvolumen in den vollständig privatisierten Unternehmen sei zwar inzwischen rückläufig, da zahlreiche Vorhaben inzwischen abgeschlossen seien ­ es werde im kommenden Jahr um etwa 8 Prozent abnehmen ­, dennoch bleibe die Investitionstätigkeit auf einem beachtlichen Niveau.Die Investitionen je Beschäftigten betrugen laut Umfrage der BvS in den vollständig privatisierten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes etwa 21 000 DM.Auch wenn mit einem Rückgang der Investitionen zu rechnen sei, werde im kommenden Jahr die sogenannte Investitionsintensität um annährend 50 Prozent über dem westdeutschen Vergleichswert liegen. Auch bei der Produktivität stell die BvS deutliche Fortschritte fest.Sie habe sich seit 1994 jahresdurchschnittlich um rund 12 Prozent erhöht.In diesem Jahr habe die Bruttowertschöpfung im Durchschnitt etwa 81 000 DM je Beschäftigten betragen.Das seien 75 Prozent des westdeutschen Vergleichswertes heißt es in der Studie. Positiv auch: 61 Prozent der befragten Firmen gaben an, einen Gewinn zu erwirtschaften, oder zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen.Dagegen überwogen bei der vorherigen Umfrage mit einem Anteil von 56 Prozent noch Firmen, die keinen Gewinn erzielen konnten.Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe hat sich die Situation verbessert.Hier hat sich die Anteil der Firmen, die keinen Gewinn erwirtschafteten um annähernd 30 Prozent vermindert.Allerdings beträgt der Anteil derjenigen ohne Gewinn noch immer über 40 Prozent und bleibt damit nach Angaben der BvS höher als in anderen Wirtschaftszweigen. Für einen Konsolidierungstrend spricht laut BvS auch die Einschätzung der Unternehmen zur Ertragslage.61 Prozent hätten diese als gut oder zumindest befriedigend bewertet.Mit Ausnahme des Baugewerbes hätten positive Bewertungen zugenommen.

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